Noch immer in einem Taxi, an einem Freitag
Oktober 27th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
“Warte mal. Was war das?”
“Das, das wollte ich dir eigentlich erst sagen, wenn wir oben auf dem Podium sitzen, weil ich mir schon dachte, dass du …”
“Du kannst mir WARUM kein Exemplar unseres Romans geben, Georg?”
“Doch, ich habe hier ja diesen Ausdruck …”
“Der Roman tut WAS?”
“Er, also.”
“ER LIEGT NOCH NICHT VOR?”
Georg zog sich ins Polster der Rückbank zurück.
“Hm. So kann man es wohl …”
“Georg. Sag mal. Du willst mir erzählen, dass wir gerade zu einer Promotion-Aktion fahren, an einem Freitag, den 13., und das Produkt, das wir dort bewerben, EXISTIERT NOCH GAR NICHT?”
“Bob, das ist, das ist immerhin die Zukunft des …”
“Verarsch mich nicht! Georg! Verarsch mich nicht!”
“Ich weiß. Wie oft haben wir den Satz: ‘Die Zukunft des Marketings’ …”
“Ich, z. B., habe nie, niemals einen anderen Satz geschrieben!”
“Deine Theorie.”
“Meine was?”
“Deine Theorie. Dass das Produkt gar nicht existiert.”
“Ist doch auch so. Wieso Theorie? Zeig mir einen einzigen real existierenden Mercedes!”
Georg verzog merkwürdig sein Gesicht. “Wir sitzen in einem?”
“Das will ich meinen”, brummte der dunkelhäutige Taxifahrer, “dass diese Kiste existiert, Mann!”
“Sieh’s als eine Art Sneak Preview”, meinte Georg vorsichtig.
“Klar, natürlich.” Bob grunzte. “Ein kleiner Vorgeschmack auf den neuen Bob-und-Georg-Film. Oder was?”
“Ja. Nur eben kein Film. Sondern ein Roman.”
“Bob und Georg?” Der Fahrer guckte in den Rückspiegel. “Wer ist denn das?”
“Das sind wir.” Georg lehnte sich vor; sein Gesicht wurde von Stolz erhellt. “Wieso fragen Sie?”
“Klingt nach nem schwulen Künstler-Pärchen”, brummte der dunkelhäutige Mann am Steuer, den Blinker setzend.
Stumm legte Georg den DIN A 4-Ausdruck des zweiten Romanteils in die Mitte der Rückbank, zwischen sich und seinen Texterkollegen.
Bob warf Georg einen Blick zu. Er sagte nichts.
Nein, er sagte nichts.