Nur noch 2,3 Tage — und was macht der Blogozentriker?
November 11th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Außer Fingernägelkauen? Er bastelt an seiner intermedialen Karriere, na klar! Nachdem der Buchmarkt jetzt mehr oder weniger erobert wurde, sei, so der Blogozentriker-CEO Matthias Orbert, “der Sprung auf die Mattscheibe, vulgo Glotze, der logische nächste Schritt”. Und setzt verschmitzt hinzu: “Ich meine, Bühne, das hatten wir ja schon, nich?”
Alles klar, den Fernsehbildschirm erobern … aber wie geht man da vor?
Ein Blogozentriker pirscht sich erst mal in ein Castingbüro, durch St. Paulianer Hintergassen. Gesucht werden hier Freiwillige für eine RTL-Serie über den alltäglichen Schulhof-Horror, ein “Scripted series”-Format. Das heißt, es wird ein grober Handlungsablauf vorgegeben, der Rest wird improvisiert. Für so etwas braucht man, laut Lehrbuch für Fernsehschaffende, folgende Statisterie: Schüler, Lehrer, einen Hausmeister.
Schon am Empfang der erste Schock: Die Hausmeister-Rolle sei bereits besetzt! Und zwar mit einem Profi, einem Münchner Fernsehgesicht … obwohl, eigentlich ist das schon der zweite Schock. Der erste, nach gewundenem Hochkraxeln auf einer Wendeltreppe, war der Empfang selbst. Vier Tapeziertische, notdürftig mit lauthals labernden Laptops und leise summenden Praktikanten vollgestellt. Ab und an pfeift bei so einem die Lüftung. Youtube-Filmchen erfüllen die Luft mit ihrem Gekicher.
Die Räume: kahl, ausgerotzt, wie bei einer Wohnungsbesichtigung bei einem Maklertermin. Wenigstens ist alles ungefähr weiß gestrichen.
Und tatsächlich wird mir als erstes (dritter Schock) ein Selbstauskunftsbogen in die Hand gedrückt. Konfektionsgröße, Name, Führerschein. (Alles nicht vorhanden.) Dann geht’s mit einem gut gelaunten Caster in einen Raum, den Flur runter, erste Tür links. Dort wartet schon einer auf mich, leise schniefend, der eben noch zusammen mit mir einen Fragebogen ausgefüllt hat, im Empfangsraum.
“Okay, du willst doch einen Lehrer spielen, Olli”, sagt der Caster, lässig eine Digicam in der Hand haltend. In diesem Augenblick wird mir klar, warum Leute einen Haufen Geld für Calvin-Klein-Unterhosen ausgeben: weil der Logo-Schriftzug beim Aufstehen sichtbar wird! Bei mir nicht. Bei mir sitzt die Hose. Darum tut’s auch Tchibo-Underwear … aber das eher en passant, als Randnotiz.
“Okay, Olli”, sagt also der Caster, “du willst doch einen Lehrer spielen — dann hau hier dem Octavio mal eins in die Fresse.”
“Was?” Ich glotze ungläubig.
“Ja, was ist denn das Problem?”
Der andere Fernsehgeile, Octavio, lächelt mich aufmunternd an in seiner dunklen Jacke. Ich könnte mir vorstellen, dass der für heute noch einige weitere Casting-Termine in seinem Timeplaner stehen hat.
“Ich heiße nicht Olli”, sage ich und ballere Octavio eine, dass der in die Knie geht.
“Ach so. Na ja. Egal”, meint der Caster. “Das war schon ganz gut. Kannst du noch mal zulangen? Aber diesmal stell dir vor, du seist ein böser, strenger Lehrer.”
“Klar.”
Ich schmettere Octavio, der eigentlich ganz nett aussieht, nicht wie einer dieser typischen Crack-Problemschüler, die Faust ins Gesicht, so in Richtung Nase.
“Ah, pass auf”, ruft der Caster, “du blutest ja alles voll!”
“Sorry”, meint Octavio und versucht auf die Beine zu kommen, “ich neige leider zum Nasenbluten.”
“Hättste was gesagt”, sag ich, “dann hätt ich dir doch in die Eier getreten, Mensch!”
“Au ja, das wär geil”, ruft der Caster, seine Digicam hebend, “mach das auch noch mal. Dann haben wir’s auch, im Groben.”