Sag’s dem alten Bill

November 28th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

- Was.
- Die Idee ist NICHT schwachsinnig!
- Wie kommt man denn nur.
- Schwachsinnig? Keineswegs!
- Mich? Beim Schreiben?

Halt, halt! Dieser Text wird schon wieder so dunkel, dass die Leser nur ein Pupsen in schwarzer Nacht hören — und sich, alter Gewohnheit folgend, gleich ein Arschlecken dazu denken!
Bringen wir also etwas Licht in die Sache, bevor dieser Beitrag auch noch an die Spitze der Charts schießt.

Was hier eigentlich abläuft, ist ein Gespräch mit meiner PR-Agentur, Frau Kolossa, Europas führender und vorerst einziger Phantasieagentur. Wir reden über Vermarktungsoptionen für den neuen Roman “Hohlkörper”, von dem kein Geringerer als Maik Brüggemeyer, leading voice beim “Rolling Stone”, sagte: “Ich hab das Scheißding doch noch gar nicht gelesen!”

- Also, noch mal von vorn, fängt Georg Baur, Ober-Memiotiker und Agentur-Chef, noch einmal von vorn an, wir setzen dich in dieses Schaufenster von Karstadt. Die sind damit einverstanden, das haben wir mit denen geklärt.
- Yep, sagt, von seinem Laptop dabei nicht einmal aufschauend, Torben Otten, der in seiner Freizeit auch schon mal auf Plattdeutsch räppt.
- Und da schreibst du dann deinen Roman, in diesem riesigen Schaufensterraum.
- Natürlich an einer Schreibmaschine, sagt Otten. Stilecht. Hier steht, dass das Buddenbrooks-Haus in Lübeck Golo Manns Olympia für schlappe 330,- Euro am Tag ausleiht. Inklusive Farbband.
- Golo Mann?
Ich staune nicht schlecht; darin bin ich mittlerweile richtig gut.
- Mitten in der Fußgängerzone, sagt Georg Baur mit einem Nicken.
- Aber, wage ich einen Einwand, nervt das nicht eher? Wenn ich da hinter Glas hocke und tippe und hämmere?
- Das Tippen und Hämmern hört man ja nicht!
- Eben! Was bleibt dann letztlich übrig? Was kommt da rüber? Lesen kann man doch auch nicht, was ich da schreibe?
- Es ist halt eine Aktion, sagt Baur, und Otten ergänzt:
- Eine Installation.
- Ein Event.
- Die Presse schaffen wir schon vor Ort, keine Sorge. Überlass das uns!
- Natürlich bauen wir da auch eine Webcam ein.
- Vielleicht gleich in die Kamera? schlägt Otten vor.
- Gute Idee! Spektakuläre Bilder, die wir zeitgleich auf dem Blogozentriker und auf unserer Frau-Kolossa-Seite zeigen.
- Oder wir bringen jeden Abend die Highlights.
- Nee, ich finde, das sollte eher das work in progress dokumentieren, den Prozess!
- Sehen, wie der Autor sich in seinen Text hinein leidet.
- Hinein leidet?
- Oder lacht, je nachdem.
- Ist das eigentlich eher ein lustiges Buch? wendet Georg Baur sich abrupt an mich. Also, worum geht’s da denn, mal in Kurzform?
- Er sollte nackt sein, oder, überlegt Otten, Georg, was denkst du?
- Ja. Und mit irgendwas beschmiert.
- Exkremente?
- So im Sinne von: Schmuddel- und Schmock-Theater? Um den Welt-Ekel auszudrücken?
- Genau. So was. In der Art.
- Ja, hm, hm. Warum nicht?
Ich ziehe den Mantel enger um meine Schultern.
- Jungs, sag ich, mich gruselt’s vor euch!

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