Eine Sache, über die man nicht so gern spricht
November 22nd, 2009 § 1 Kommentar
Es ist ja vollkommen gesichert und offenkundig und klar, dass dieses Ich, das alle unentwegt für sich reklamieren, nur ein Schwindel ist, ein Beitrag zum großen, schrecklichen Karneval, den die Menschheit an 365 Tagen im Jahr feiert. Unbestritten. Meine Identität steht im Personalausweis, das ist alles, was es mit ihr auf sich hat, und wenn ich etwas gestört bin, versuche ich sie in Cahiers à la Paul Valéry für mich zu dekonstruieren oder in Gedichten mit Leben zu erfüllen. Und wenn ich noch einen Tick gestörter bin, dann bastele ich wie ein Wahnsinniger an einer beruflichen Karriere, bis zum Herzinfarkt und locker darüber hinaus, weil ich wirklich GUT in meinem Job sein will und meinen Job wirklich LIEBE. Und wenn ich dermaßen gestört bin, dass mir wirklich nur noch die Politik bleibt « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Nicht belasten!
November 21st, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Nur natürlich ist es, dass die Atemlosigkeit der Konsumierenden des Textes sich übertragen muss auf den Verfasser. Dieser weiß ja, er hat zwei Zeilen Zeit, maximal. Wahrscheinlich ist schon nach sieben Wörtern Schluss.
Das erste Blinzeln, bis dahin muss es sich entschieden haben, ob der an Themen wie Wertkonservatismus, Essays, Romankultur oder schönem Furzen beim Arschlecken Interessierte an der Webseite kleben bleibt.
Je pampiger und schmieriger die Materie, desto größer ist diese Wahrscheinlichkeit, das weiß der panisch Tippende, der Klick-Glücksspieler. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Gespräch mit einem Wertkonservativen
November 21st, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Wir leben in einer Gesellschaft“, sagt unser Interview-Gast, „in der es keine innere Haltung mehr gibt“. Eine „Kaufmannsgesellschaft, sicher nicht böse, nicht bösartig, aber doch wertfrei bis zur Toleranz gegenüber dem orientalischen Massenmörder. Sogar die Kunst ist nur noch ein leeres Spiel mit leeren Formen, ein öder Zeitvertreib ohne geistige Prägung.“
Entscheidend sei allenthalben nur noch die Erwägung, mit wem sich Geschäfte machen lassen.
„Wir sind in einem Maße liberal und neutral, dass man Angst vor uns bekommen muss. Mittlerweile ist uns wieder alles zuzutrauen. Auch das Allerschrecklichste. Die Frage ist nur, wie man’s uns verkauft.“
Wir fragen nach; ob wir uns da verhört haben? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Lebende Dinge
November 17th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Onkel Charlie war wirklich eine Marke! Als Kind habe ich ihn geliebt. Und ich liebe ihn eigentlich immer noch! Mein Bruder hat ihm den Namen „Onkel Charlie“ gegeben, und zwar nach einer Figur aus einem Hitchcock-Film, „Shadow Of A Doubt“. Joseph Cotton spielt darin einen überaus zwielichtigen Charakter, eben Onkel Charlie.
Onkel Charlie ist bei Hitchcock ein Frauenmörder, so weit ich mich erinnere … ein Witwen-Mörder, glaube ich. Jedenfalls, weil mein Bruder Onkel Charlie nicht leiden konnte, gab er ihm diesen Spitznamen.
Eigentlich hieß Onkel Charlie Roman. Roman Buch. Er war aber nicht etwa Besitzer einer Buchhandlung oder eines Verlages, er war Arzt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Tote Dinge
November 17th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Was soll man machen? Wörter sind so unglaublich langweilig, zuweilen. Aber auch der Beruf des Bestattungsunternehmers hat sicher seine öden Momente. Um jetzt mal ein Beispiel aus einer ganz anderen Ecke zu zitieren. Sogar wenn die flennenden Anverwandten im Nebenraum sind, um den Sarg vereint, dann bohrt man vermutlich in der Nase und löst auf die Schnelle ein Kreuzworträtsel. Immer kann man sich mit den tiefsten Dingen nicht abgeben. Dem widerspricht die menschliche Natur, deren Credo bekanntlich lautet: « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Essays schreiben
November 17th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
In gewissem Sinne ist der Essay die poetischste aller Prosa-Gattungen. Darum finden wir auch so viele Lyriker, die Essays geschrieben haben — Gottfried Benn, T. S. Eliot, Joseph Brodsky, Hans Magnus Enzensberger. Natürlich denke ich auch an Paul Valéry; ich denke andauernd an Paul Valéry.
Denken Sie ruhig auch an Durs Grünbein; ich werde mir das allerdings verkneifen! Ich weiß, wie weit ich zu gehen habe …
Auch Alexander Kluge ist mit seinen in fettleibigen Volumina versammelten Kurzgeschichten näher am Essay dran als an dem, was vor allem die Amerikaner mit dem Format der Short Story wollten. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
War Morold dir so wert
November 16th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Eine Hamlet-Maschine, das ist in erster Linie natürlich eine Wörter-Maschine. Mit Wörtern kann man viel kaputt machen — wenn das vergangene Jahrhundert uns etwas gelehrt hat, dann wohl das!
Hamlet, das ist dieser Dänenprinz, der das neuzeitliche Bewusstsein erfand, indem er des alten Parmenides Seins-Philosophie anknabberte* — und dabei vielleicht nicht die Dialektik erfand (dazu war nur ein Deutscher in der Lage), aber wenigstens die Differenz einführte, die später zur Differänz (différance) sich verschob (minimal, kaum wahrzunehmen, die Verschiebung, aber sie langte hin). « Den Rest dieses Eintrags lesen »
„Hohlkörper“ – der Roman im Bild
November 16th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Hohlkörper
Lange Rede, kurzer Sinn? Dann doch lieber: kleines Foto, große Erklärungskraft.
Unsere Abbildung zeigt einen klassischen Hohlkörper. Aus der bauchigen, blasenartigen Mittelform entspringt der Roman von ganz allein, wenn Sie oben nur geduldig und beharrlich pusten. Es kann in Einzelfällen im unteren Ende zu Stauungen kommen. Ganz wichtig: Verlieren Sie dann nicht die Nerven! Wie beim Verfertigen journalistischer Texte gilt hier: Im Autopilot-Verfahren kommen Sie weiter. Einfach nix bei denken. Just blow it.
Komplexitätsforschung, fast
November 16th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Wie keine andere Kunstgattung regt vorgelesene Literatur die Einbildungskraft und das Nachdenken an, gewährt einen Genuss für Geist und Sinn.
Das wurde mir so recht lebhaft fühlbar erst wieder am letzten Freitag, im „Südbalkon“, einem subkulturellen Veranstaltungszentrum in Wilhelmsburg. Wilhelmsburg, das ist ein Stadtteil im Süden von Hamburg, gewissermaßen also ein Balkon, von dem aus man in den Süden der Hansestadt blicken kann, wenn man sich ganz hoch auf seine Zehenspitzen stellt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Für dich
November 15th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Eines muss ich jetzt mal zugeben. Ich bin ein absoluter Fan von Büchern. Ich LIEBE Bücher. Diese Art, wie man sie aufschlagen, auseinander klappen kann. Wie sie auf dem Bauch liegen, wie sie in der Hand liegen. So brav, so geduldig. Bücher sind wirklich cool. Allein so ein Cover, das sublime Versprechen, das in der Tatsache liegt, dass jemand sich die Mühe gemacht hat, eine Wüste von Schriftzeichen mit einem Titel zu versehen, der helfen soll, einen Zugang zu dieser trockensten und reglosesten aller Wüsten zu finden. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
