Leichtfertiger Trost, den die Digicam gewährt

November 15th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

„Du musst zugeben, Bob, das sind alles Problematiken von gestern! Du vertust deine Zeit, indem du die künstlerischen Schwierigkeiten deiner Eltern zu lösen versuchst! Ganz ehrlich“, sagte Hansi Hausmann, „das ist mein Eindruck!“
Michi brummte Zustimmung aus seiner Ecke.
Carlo sagte erstaunlicherweise gar nichts; vermutlich war er einschlafen.
Keith Jarrett stöhnte leise zu seinem Köln-Konzert.
Hansi fügte hinzu:
„Glaub mir. Ich spreche als Freund.“
Benn stopfte sich noch ein paar Finger voll Kartoffelchips in den Mund.
„Ich hab keine Ahnung, wovon du redest“, murrte Bob endlich. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Künstlerische Probleme von gestern

November 14th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

- Das ist vollkommen … das ist vollkommen wahnsinnig, Bob!
- Du brichst dir nur den Hals. Was soll das bringen?
Bob lächelte und sagte:
- Schaut mal, Jungs. Wir können nicht ewig so weitermachen. Eine statische Einstellung an die andere geklebt. Das ist John Wayne, Leute, aber heute geht das nicht mehr so. Film kann heute so nicht mehr gehen! Wir brauchen Dynamik. Abel Gance, entfesselte Kamera. Mal etwas Neues, Waghalsiges. Spektakuläres, aber im guten Sinne spektakulär. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Flugblatt

November 14th, 2009 § 1 Kommentar

Nun stellen Sie sich aber mal vor, Sie säßen in einem Café. Was passiert da? Reden die Leute aufeinander ein? Wollen Sie etwas voneinander, wollen sie zueinander? Entstehen gesprächsweise Schicksale, werfen sich Perspektiven auf, werden Möglichkeiten von ferneren Momenten in die rauchgeschwängerte Luft gezaubert?
Nein.
Die Leutchen haben entweder eine Zeitschrift vor sich liegen, plaudern über Shoppingerlebnisse oder checken ihre SMSe. Man redet nicht miteinander, man fängt miteinander nichts an. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Auf dem Balkon des Südens

November 14th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Lesereise. Heute mache ich Station im „Südbalkon“. Das ist eine kleine Location am Rande von Hamburg, dort, wo der adressenbewusste Hamburger sich eher nicht blicken lässt. Darüber klärt mich ein hanseatisches Urgestein auf, mit dem ich vor dem „Südbalkon“ ein paar Schritte auf und ab tue. Dabei finde ich Wilhelmsburg, wie der Stadtteil heißt, vom Hauptbahnhof mit S-Bahn und Bus zu erreichen, gar nicht unangenehm. Erinnert mich ein bisschen an Kölner Zeiten, an den Westen Deutschlands. Andere dächten wahrscheinlich an den Osten. Auch das wäre als Assoziation okay. Designfreie Zone, sagt das Hamburger Urgestein. Das liebe er so an Wilhelmsburg. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Elsa und das rote Handtuch

November 13th, 2009 § 1 Kommentar

Das Tolle an einem Roman ist, dass er ohne Strom funktioniert. Sie können ihn also auch in einem Regionalexpress lesen oder in einer Regionalbahn. Er kann auch nicht aktualisiert werden. Was im Roman nicht stimmt, stimmt im Roman für alle Zeiten nicht.
Sie wissen schon, so eine Art Anschlussfehler. Im einen Bild hat Brad Pitt die Schramme auf der linken Wange, in der nächsten Einstellung hat die Schramme ihren Sitz auf die rechte Wange des Megastars verlagert. Das sind Anschlussfehler.
In STAR WARS z. B. gibt es eine Szene, in der ein paar Sturmtruppler durch eine automatische Schleusentür gestürzt kommen, die Waffen im Anschlag, ballerbereit. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Noch keine Sekunde mehr!

November 13th, 2009 § 1 Kommentar

Das Handy klingelt jetzt schon zum dritten Mal in Folge, ein schriller, fürchterlicher Laut, und endlich gehe ich dran.
- Ja, sage ich missmutig.
Im Fernsehen läuft gerade ein Porträt über Don DeLillo, den großen amerikanischen Schriftsteller, u. a. AMERICANA, WEISSES RAUSCHEN, UNTERWELT und, sein jüngstes Werk, FALLING MAN. Ich mache mir Notizen, habe schon sechs Seiten in meinem neuen Notizbuch vollgeschmiert. Wahnsinn. Don DeLillo war für mich immer schon eine ganz wesentliche, absolute Inspiration. Ich bin richtig high von dem, was er so erzählt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Ein Hohlkörper in Wilhelmsburg

November 12th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich werde es tun! denkt er. Morphium. In Pillenform. Er blinzelt, hyperaufgeregt, ins Publikum. Nicht nur seine Nerven flattern. Auch die Seiten, beim Umblättern. Er sieht all die Anmerkungen seiner Lektorin, in diesem frühen Ausdruck des Manuskripts, grüne Schriftzeichen, und ihm wird schlecht. Der „Südbalkon“ dreht sich vor seinen Augen. Was hab ich zu verlieren? denkt er. Der Roman ist in der Druckerpresse; irgendwann liefern sie ihn aus. Irgendwann werden sie ihn ausliefern müssen, denkt er.

Der Selbstmord Robert Enkes hat ihm zu denken gegeben. 35.000 sind für Robert Enke auf die Straße gegangen, Oliver Bierhoff hat im Fernsehen geweint. Die Medien sind voll von diesem Thema. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Ich vertraue Peter Sloterdijk!

November 12th, 2009 § 7 Kommentare

Die Frage ist ja in erster Linie: Welchem Autor vertraue ich? Das Verhältnis zwischen Leser und Autor ist ja eines der intimsten überhaupt, vielleicht sogar das allerintimste, da es ein ideales ist. Auf alltagspraktische Fragen muss keine Rücksicht genommen zu werden, nirgends. Wir teilen kein Bett, wir essen nicht vom selben Brot. Notlügen sind also unverzeihlich. Ich dränge nicht darauf, dass mein Autor mir Dinge erzählt, die er mir nicht erzählen will. Was er mir aber erzählt, sollte er exklusiv mir erzählen — wenn Sie verstehen, was ich meine.

Um das auszuführen. Ich vertraue blind Witold Gombrowicz, ich vertraue Alfred Polgar, ebenfalls blind. Gut, könnte man einwenden, die sind auch tot! « Den Rest dieses Eintrags lesen »

E-e-etwa noch 1,62 Tage: Vom Rande her brechen „Hohlkörper“ herein

November 12th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Die „Hohlkörper“ verstehen sich als „kleine Literatur“, also als Text, der aus der Position eines Marginalisierten (und zu Recht Marginalisierten) geschrieben ward. (Ward!) Walter Benjamin nannte bekanntlich das Werk „die Totenmaske der Konzeption“. Gemeint ist mit dieser Konzeption von Konzeption ja wohl ein sisyphotisches Vorhaben: Den Stein solange auf den Berg trümmern, bis der Berg platte Ebene ist und Sisyphos endlich heimgehen kann … meine Güte, man schreibt ja nicht zur Unterhaltung!

Leider aber wird aus diesem radikalen Geiste in den letzten Jahren wenig geschrieben. Man schreibt lieber aus der Pantoffelkino-Perspektive « Den Rest dieses Eintrags lesen »

BUT IN OUR NAME?

November 11th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Das war eine Riesensache, auf die sich Bob und Georg damals eingelassen haben. Die konnten ja gar nicht absehen, die zwei Quarkköpfe, wohin diese Angelegenheit nun wieder führen würde. In dieser Hinsicht waren die zwei Textprofis absolut unbelehrbar. Nicht einmal stur. Eher wie vollkommen beknackt. Totale Idioten. Sie begriffen einfach nicht, dass es manchmal das Beste ist, zu Hause sitzen zu bleiben und das Fenster geschlossen zu halten. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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