Fragment
Dezember 8th, 2009 § 1 Kommentar
“So ein Hurensohn!”
Diese Marines sind harte Brocken. Das ist ja klar. Eine Ausbilderin sagte mal zu mir: “Wir zerbrechen sie. Und dann setzen wir sie neu zusammen, so, wie’s uns passt.” Das war in einem Ausbildungscamp. Mein Chef, der Blogozentriker, hatte mich dorthin geschickt. Damit ich was lerne. Fürs Leben. Und für meinen Job.
Jetzt verstand ich erst, was die Eiserne Lady damals gemeint hatte. Dieser Kerl hatte ein Gesicht wie ein Punchingball. Seine Augen waren tot wie Murmeln. Als hätte man ihm Glasaugen eingesetzt, weil er in Kuba oder im Irak oder sonst wo mal erwischt worden war. Für ihn war ich nichts weiter als rohes Fleisch, das er zu bearbeiten hatte. Er bekleidete den Rang eines Obersten. Er machte schon seit geraumer Zeit zu wenig Sport, das bewies das Bäuchlein, das seine Koppel nach außen drückte. Auch sein Kinn hatte eine gewisse Tendenz zur Verdoppelung, auch im nüchternen Zustand. Aber er war immer noch einer, der mir mit zwei Fingern die Nase brechen konnte, wie er da in seinem Tarnanzug vor mir saß. Und ich will mal so sagen: Ein Hänfling bin ich auch nicht gerade!
Na ja, okay, schön. Ich BIN ein Hänfling. Aber ich bin kein Jammerlappen … okay. Ich BIN ein Jammerlappen.
Ich glaube aber schon, dass ich für mich reklamieren kann, ein bisschen was in der Birne zu haben …
Okay.
Okay, ja. Ich BIN ein Idiot. In meiner Birne ist hauptsächlich Luft. Luft von anderen Planeten. Meinetwegen. Was soll’s. Ist ja auch egal.
Jedenfalls, dieser Typ sagte zu mir: “So ein Hurensohn.”
Womit wir wieder am Anfang sind. Weswegen ich sagte: “Worauf wollen Sie eigentlich hinaus?”
Er stutzte.
“Indem ich ‘So ein Hurensohn’ sage, meinen Sie?”
“Ja”, sagte ich.
Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es …
Ach. Egal.
“Ja”, sagte ich also.
“Ich will damit auf gar nichts hinaus”, sagte der Colonel. “Sie scheinen nur noch nicht kapiert zu haben, was für eine scheißernste Angelegenheit dieser Blogozentriker ist! Wie tief Sie in der Scheiße stecken, Mann, seit die Leute angefangen haben, nach ‘Mareille Klein’ bei Ihnen zu suchen.”
Ich räusperte mich. Ich zog die Augenbraue hoch. Die linke.
Ich gab meinem Gesicht einen ironischen Look.
Ich sagte: “Nach wem?”
Der Typ riss sich die Kippe aus der Fresse und schrie: “Erklären Sie’s ihm, Sartsch!”
Der Sergeant stand von seinem Stuhl auf. Gelangweilt. Er hatte die ganze Zeit nur dabei gesessen, wie jemand, der in den Fernseher glotzt. Total apathisch. Der apathischste Muskelberg, den Sie je gesehen haben. Jetzt schlenderte er rüber zu mir und blieb vor mir stehen. In aller Ruhe holte er seine Hände aus den Hosentaschen. Dann haute er mir erst mal in die Fresse.
“Faust aufs Florett schrauben, hm?”, sagte er nur.
Ich spuckte einen Zahn aus.
“Nur zu”, sagte ich. “Ich hab davon einige.”
Der Colonel fragte: “Auch noch die Weisheitszähne?”
“Nein. Die sind mir gezogen worden.”
“Schade”, sagt der Sartsch. “Die raus zu prügeln, macht am meisten Spaß.”
“Die sitzen nämlich ziemlich fest, die Weisheitszähne”, erläutert der Colonel aus seiner Raucherecke.
das wird ja immer verrückter.