Manche nennen es “Philosophie”
Dezember 22nd, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
“Oh, du, Baum, Baum”, Bob haute in die Tasten, “der du Baum, Baum …”
“Darf man fragen”, fragte ich, “was du da tust, Bob? Müsstest du nicht eher mal deinen Kram zusammen packen?”
“Baum, Baum, Baum. Nee”, Bob schlug noch einmal mit der Faust auf die Tastenleiste — PLÄÄÄNGGGGGGGG –, dann gab er Ruhe. “Ich finde keinen vernünftigen Reim auf ‘Baum’. ‘Du träumst vom Baum, kaum’, das ist Mist, und ‘Du bist im Traum, Baum’, das hat doch auch nicht das gewisse Etwas.”
Er faltete beschämt die Hände im Schoß.
“Noch ärger ist’s mit Tanne. ‘Es war ne Spanne, dies Jahr, bis zur Tanne.’” Er sah erwartungsvoll zu mir auf. “Wie findest du das?”
“Hat was von”, sagte ich, ausweichend, “Udo Lindenberg. Vielleicht?”
“Bei Udo Lindenberg ging’s eher um: ‘Ich trank so manche Kanne / Unter meiner Tanne.’”
Bob griff ein paar Akkorde und sang. Es klang schrecklich.
“Na ja, aber andererseits.” Ich wollte ja keinen Druck machen, aber das hier alles ging mir gehörig auf den Wecker. “Andererseits braucht die Welt auch keinen weiteren X-mas-Hit, oder?”
“Ach, nee”, seufzte Bob. “Aber ich hätt halt gern für die kleine Ida einen Song komponiert.”
“Ida?”
“Du weißt schon”, sagte Bob zornig, “die Tochter von Kathrin und Martin.”
“Ah, Ida.”
“Ich stell mir das lustig vor, wenn man ein Kind ist, und ein.” Er schaute mich ratlos an. “Na, so ein Typ halt, der komponiert einen Song für einen. Ein eigenes Weihnachtslied. Das hat doch was?”
“‘Volle Kanne unter der Tanne’”, murmelte ich.
“‘Mit der richtigen Tanne / Gibt’s keine Panne.’”
Ich meine, für ein Kind — da muss man sich auch mal ins Zeug legen, nicht?
Immerhin ist Weihnachten, und Weihnachten ist für die Kinder.