Freunde, die erste Staffel
Dezember 29th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
- Kein Wunder, dass sie den eingewiesen haben.
- Stell dir das mal vor! Jeden Tag presst der da seine Artikel aus sich raus.
- Wurde höchste Zeit, dass die entsprechenden Stellen reagiert haben. So sehe ich das.
- Manchmal waren es drei Artikel an einem Tag!
- Der ist doch graphoman. Der ist doch …
- Ich wüsste jetzt auf Anhieb gar nicht, wie man den … das ist so ganz, irgendwie … weiß auch nicht …
- Eine Gefahr für die Gesellschaft, das ist er!
Na ja, bleib mal auf dem Teppich, dachte Silvia, Caro einen ziemlich forschenden, nüchtern-kühlen Blick zuwerfend. Benny bemerkte diesen Blick, und er fand, dass dessen Kühle einen Tick zu weit ging — einen kühlen Hauch zu weit, wie man hier vielleicht sagen könnte. Er hob sein Glas mit Chardonnay (der teuer und, paradoxerweise, zugleich billig war) und sagte:
- Zu mir hat er gesagt: “Der Blogozentrismus ist ein Humanismus.” Und dabei schaut er mir tief in die Augen. Und was ich da gesehen habe …
Benny schüttelte sich, und alle lachten, was wenigstens die bummernde Musik für einen Augenblick zum Verstummen brachte. Silvia, die eh eine blöde Nutte war, unter uns gesagt, rief laut und plärrend über den Tisch:
- Es schaudert einen.
Einer kicherte, die anderen zögerten, ob zur Abwechslung Einfühlsamkeit und Mitgefühl am Platze wäre?
- Dabei wirkte er am Anfang echt nicht verkehrt.
Johanna ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, diesen Dolchstoß anzubringen. Johanna schrieb gewitzte Textchen für eine Mädchen-Zeitschrift, sie war auf dem Weg in die Chefredaktion, und deswegen kannte sie sich mit Infamien aller Art aus.
- Ganz nett sogar.
- Und dann entgleist es natürlich, auch mit ihm.
- Auch er.
- Die entgleisen alle.
- Keiner bleibt in der Spur, wenn die Medien Fahrt aufnehmen.
- Das trägt dich davon, klar.
- Ist doch logisch.
- Das bisschen Ruhm, machte Silvia mit einem herablassenden Achselzucken.
- Da kannst du drauf scheißen.
- Deswegen den Kopf zu verlieren …
- Er hätts eh nich gepackt, wenn er angesichts von diesem bisschen Medien-Aufmerksamkeit schon abhebt.
Sie saßen alle da, soffen ihre Getränke und zahlten später viel zu viel, was sie sich nur leisten konnten, weil sie Arbeiten machten, Jobs hatten, für die ihnen frühere Generationen ins Gesicht gespieen hätten als Lügnern und Heuchlern und gewissenlosen Bastarden. Sie fühlten sich ganz okay, alles in allem, und es war ein lustiger Abend, wie man unterm Strich festhalten konnte. Ich jedenfalls konnte nicht meckern, weil es der Abend war, an dem ich Silvia endlich herumkriegte!