Visionen von Johannes
Dezember 10th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Es war eigentlich nur die Unterseite der Aufklärung, was wir betrachteten. Vermutlich. Genau wissen kann man’s ja nie. Wir versuchten im Kaffeesatz zu lesen, und dazu bedienten wir uns eines Vokabulars, das weder wissenschaftlich war noch besonders geschmackvoll. Es war einfach ein Englisch-Mischmasch, mit dem wir unsere Klienten täuschten. Und diese ließen sich täuschen.
Dieser Jargon hatte weder mit Wissenschaft etwas zu tun noch mit Geschmack, Takt oder Intelligenz. Es war Marktschreierei gröbsten Kalibers. „Marketinglisch“, hatte Päderlein das immer genannt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Minimalmoral
Dezember 9th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Wenn jemand von den Texten des Blogozentrikers meint, sie würden immer verrückter, dann soll er doch bitte einmal einen Blick in die Beiträge des Bandes „Minima Moralia“ von Theodor W. Adorno werfen! DAS ist verrückt. Da geht’s beispielsweise los mit einem „tough guy“ (so der Titel), also sagen wir mal mit Gary Cooper, der nach Hause kommt (er wohnt in einer Filmkulisse) und sich erst mal einen Whiskey einschenkt. Wir sind hier in der Kulturindustrie, darum riecht er nach Rasierwasser und Tabak, und sein Mund ist gekrümmt und gefalzt von der Verachtung für alles und jeden, vor allem für die Weiber, das Pack. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Fragment
Dezember 8th, 2009 § 1 Kommentar
„So ein Hurensohn!“
Diese Marines sind harte Brocken. Das ist ja klar. Eine Ausbilderin sagte mal zu mir: „Wir zerbrechen sie. Und dann setzen wir sie neu zusammen, so, wie’s uns passt.“ Das war in einem Ausbildungscamp. Mein Chef, der Blogozentriker, hatte mich dorthin geschickt. Damit ich was lerne. Fürs Leben. Und für meinen Job.
Jetzt verstand ich erst, was die Eiserne Lady damals gemeint hatte. Dieser Kerl hatte ein Gesicht wie ein Punchingball. Seine Augen waren tot wie Murmeln. Als hätte man ihm Glasaugen eingesetzt, weil er in Kuba oder im Irak oder sonst wo mal erwischt worden war. Für ihn war ich nichts weiter als rohes Fleisch, das er zu bearbeiten hatte. Er bekleidete den Rang eines Obersten. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Eine Faust aufs Florett schrauben!
Dezember 8th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Wirksame Schläge aber müssen von einem inneren Punkt aus geführt werden. Wer nicht genug Schwung holen kann, weil seine Faust zu nah dran ist am Gegner, aus Angst, diesem selbst andernfalls zu große Treffermöglichkeiten zu eröffnen, dem ist nicht zu helfen. Bei ihm bleibt’s beim Klopfen, beim Ab-Klopfen des Gegenübers; von dessen Stärke wird er ebenso wenig Genaues erfahren wie von dessen Schwäche. Bei solcher zaghaften Vorgehensweise bleibt man im small talk stecken, und dieser ist beispielsweise für jedes Schreiben der Tod! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Teste-Streifen
Dezember 8th, 2009 § 1 Kommentar
Scheiße, denken wir, der Fotograf und ich, als wir nach langem Fußmarsch durch ein Industriegebiet endlich um die Ecke biegen. Wir denken es so laut — „SCHEISSE!“ –, dass man es direkt hören kann. Zum Glück sind wir weit und breit die einzigen Menschen, sonst gäb’s bestimmt was aufs Maul, in so einer Gegend, wenn man die beleidigt …
Die „Blog Buster Studios“ (BBS) sind eine kleine, dunkle Klitsche in einem Hinterhof von Frankfurt. Wenigstens Frankfurt am Main. Eine schwarze Katze springt mit einem bösen Miau auf eine Mülltonne, und der Deckel klappert blechern zwischen stirnhohen Backsteinmauern. Es stinkt nach Fisch, Pisse und Erbrochenem. Das täte Jörg Fauser gefallen, denke ich, dem deutschen Dashiell Hammett, dem William S. Burroughs vom Main.
Und es riecht seltsamerweise nach Erfolg. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Goldman packt aus!
Dezember 7th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
Okay, nachdem man mir die Maske vom Gesicht gerissen hat, was hab ich zu verlieren? Zumal ich diese SMS tippe, während meine Mähre mir ihren rauchigen Atem in den Nacken bläst? Und vor mir wölbt sich, wie das Rückgrat eines seit Jahrtausenden schlummernden Gottes, der Höhenkamm der Anden?
Dieser Typ, der Blogozentriker, heißt in Wahrheit „Tony Gonzales“. Das möchte ich hier klipp und klar feststellen. Wie je das schwachsinnige Gerücht aufkommen konnte, sein Name sei „Robert Mattheis“, kapiere ich nicht. Robert Mattheis ist ein hochsympathischer, menschlich absolut integrer Autor, Verfasser des literarischen Meilensteins „Hohlkörper“. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Monsieur Goldman
Dezember 7th, 2009 § 1 Kommentar
Da waren wir also! Auf dem Dampfer „Amarillo“, auf großer Fahrt, über den Atlantik. Wir steuerten Südamerika an, waren unterwegs in ein neues Leben. Flüchtlinge der Lebensmüdigkeit, allesamt, fast 500 Leute. Tag für Tag wurden solche Scharen von uns über den Ozean geschippert.
Europa blutete aus, und das war gut so. Es hatte sich verkauft, zur Hure gemacht, und jetzt zahlte es den Preis. Ich hatte gemacht, dass ich wegkam, bevor wieder ein Krieg ausbrach. Etwas in der Art lag in der Luft. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Wie wär’s mit uns zweien?
Dezember 7th, 2009 § Hinterlasse einen Kommentar
„Also, Sie haben ja nun.“ Der Chef der PR-Agentur nahm seine Brille ab, räusperte sich, blies über sein linkes Brillenglas. Vielleicht hatte sich dort eine Wimper niedergelassen. Die musste natürlich weg. Dann setzte er die Brille wieder auf. Von der Brille abgesehen, war sein Kopf kahl. „Ja, Herr B., Sie haben ja nun schon einiges gemacht in Ihrem Leben, wenn ich mir Ihren Lebenslauf so ansehe …“
Vorstellungsgespräch. Das muss man mögen. Erinnern Sie sich noch daran? Wie so was ist? Wenn man da steht, in Unterhose, und jemand tastet Ihre Eier ab? Und macht dazu ein mehr oder weniger freundliches Gesicht? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ich sah sie an, und sie war …
Dezember 7th, 2009 § 1 Kommentar
… wunderschön, und ich war sehr verliebt. Mein Herz klopfte mir in der Kehle, und meine Augen schimmerten feucht. Nun neige ich natürlich auch ein bisschen dazu, bis über beide Ohren verliebt zu sein. Ich bin der romantische Typ. Eine Frau durch eine extra nach ihren Wünschen eingerichtete Wohnung bis zur Badewanne aus Marmor zu tragen, deren Oberfläche von Rosen bedeckt ist, welche sich mit weichen Flügeln auf ein Kissen von Badeschaum stützen, ist mir ein beinahe kreatürliches Bedürfnis. Ja, ihr Lächeln ließ mich schweben, wie wir da in meinem Wohnzimmer saßen, auf dem antikisierten, seidenbespannten Empire-Sofa « Den Rest dieses Eintrags lesen »