990. Beitrag
Januar 31st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Ihn wiederzusehen, nach all diesen Jahren … mein Herz klopfte. Im Hals.
Ich drückte mich an die Wand, heraus aus dem Fokus der Aufmerksamkeit, um in Ruhe beobachten zu können. Bewegung fuhr in die Masse wie ein elektrischer Schlag, als er hereinkam. Die Leute erhoben sich von ihren Sitzen und applaudierten ihm.
Wie schwergewichtig er aussah! Die Jahre hatten sich in Fettringen an seinem einst dürren Leib abgelagert. Jahre der Weisheit, vielleicht, vor allem aber Jahre der Feste, der Gelage, des Trinkens. Das sah man ihm an. Sein Kopf war eindrucksvoll wie eh und je, ein riesiges Ding, nur heute mit weniger Haaren bekränzt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Die leichte Unerträglichkeit des Seins
Januar 31st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Frage ist ja: Okay, man macht Alexander Kluge. Man hat einen Abend zu gestalten, und die meisten Autoren sind ausgelutscht, sind längst durchgenudelt, über die Bühne gejagt. Kleist, Schiller, Ibsen. Was bleibt, ist der Abend, und da wollen wieder Zuschauer unterhalten werden. Oder man brät ihnen eins über, mit der didaktischen Bratpfanne. Und da sagt man sich dann: „Du, Büchner, ein toller Autor, aber leider ist er so jung gestorben! Wir sind mit seinem Gesamtwerk jetzt durch, nach der WOYZECK/MASCHINE.“
Und der Dramaturg guckt erst ungläubig, dann sagt er: „Na, aber was ist mit dem HESSISCHEN LANDBOTEN? Könnten wir nicht den …“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »
UA, Premiere 30.01.10, 20 Uhr, Malersaal
Januar 30th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Aufgeregt. Das trifft’s genau, wozu noch mehr Worte machen? Meine Handflächen sind schwitzig in der Jeans. Meine beste Jeans. Der weiße Schal, okay, vielleicht affig. Ich hab ihn halt umgebunden, ich dachte, das wär was. Es war nichts, jetzt seh ich aus wie ein Idiot. Aber, hey! Um mich geht’s hier nicht. Hier geht’s um einen Mann, der behauptet, es fließe Blut, wenn man mit dem Messer in eine Maschine stäche. Okay, das klingt exzentrisch. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Silberne Kugeln
Januar 30th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Von einem Werwolf attackiert zu werden, stellt an sich schon einen unerfreulichen Sachverhalt dar, denn das plötzliche Auftauchen eines solchen mythischen Biests in Verbindung mit der es begleitenden wilden Aggression läuft auf einen Schockmoment hinaus, dessen Wirkung auf den Großstadtmenschen des 21. Jahrhunderts man keinesfalls unterschätzen sollte.
Gar nicht angenehm sind allerdings auch die weiteren Begleiterscheinungen eines solchen Zwischenfalls, die jedoch in unschöner Regelmäßigkeit übersehen bzw. heruntergespielt werden.
Vor allem denke ich hier natürlich an die unheilvolle Verstrickung von Verletzung durch die Fangzähne eines Werwolfs und die sich daraus ergebende Verfallenheit an die Verhaltens- und Jagdgewohnheiten des Untiers. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Pädagogisch
Januar 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Na. Wo willst du denn hin? Komm her, Junge!“
Ich erinnere mich, dass ich vor Angst zitterte, als Onkel Bob plötzlich in meinem Zimmer erschien. Ohne lange zu überlegen, hatte ich versucht, mich unter das Bett zu flüchten, aber er hatte meinen Fuß gepackt und zog mich an diesem nun aus meiner Deckung hervor.
„Was ist denn, du kleiner Hosenscheißer? Hab ich dich erwischt, wie du an dir selbst herumgespielt hast? Hahaha.“
Ich zitterte, bibberte und heulte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Unvermeidlich.
Januar 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Dieses Wort ploppte in Georgs Kopf auf wie ein Pop-up-Fenster auf einem Browser, als er Bob im Krankenhausbett liegen sah. Der Wahnsinn hatte sich so tief in das Gehirn seines Kollegen gefressen, dass dieser jede Möglichkeit, sich aus den Fängen der finsteren Krake zu befreien und noch einmal hinaufzupaddeln an die Oberfläche, verschluckt hatte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Mit Worten
Januar 28th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Du?
- Ja.
- Ich hab dich lieb.
- Mich?
- Dich.
- Ich weiß.
- Aha.
- Hm.
- Dann sag es jetzt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Marketing und Ironie
Januar 28th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Ironie, aha. Tja, die Marketingwelt ironisch darzustellen, ist schwierig, weil da grundsätzlich alles denkbar ist. Dass Produkte entwickelt werden, mit denen Menschen reden, ist ja Realität.“
Lesermeinung
- Bitte, sagte die junge Frau mit dem sorgfältig frisierten blonden Haarschopf und dem Näschen mit dem ganz zart-feinen Sommersprösschen in der Mitte zu ihrem Geschirrspülmittel, könntest du heute bitte nicht ganz so scharf sein, ja? Nicht ganz so beißend und ätzend? Mir haben gestern Abend richtig die Hände gebrannt im Club, ich meine, bei dieser Kälte, sonst macht es mir ja …
- Und wie soll ich, unterbrach das Geschirrspülmittel schlecht gelaunt, diesen ganzen Rotz von den Tellern kriegen? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Allem Anfang wohnt ein Zauber inne
Januar 27th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich bin eine Totgeburt. Als meine Mutter mich zur Welt brachte, war ich tot. Die Nabelschnur hatte sich um meinen Hals gewickelt und mich erstickt. Ich war sozusagen stranguliert worden. Von wem? Eine zünftige Strangulation hat ja immer ein Subjekt und ein Objekt. In diesem Fall war das Objekt eindeutig ich. Eine Sache war ich, ein Ding. Ich hatte ja nämlich noch nie „Ich“ gesagt, als ich in die Welt gespült wurde in einer Schmiere von Blut und Wehklagen. Ich war ganz blau, beinahe schwarz im Gesicht und brachte nicht mal einen Schrei zustande. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Das Institut für Angewandten Blogozentrismus
Januar 27th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Endlich ist der kritische Punkt der Entwicklung des Blogozentrismus erreicht, an dem all dieses Geschwafel hier in die Gründung einer SCHULE übergeht! Und zwar basiert das Institut für Angewandten Blogozentrismus (IAB, schlecht auszusprechen, darum: Blogozentrismus in Anwendung) (BIA) auf den Ideen von Wilhelm Reich und Fritz Perls. Ziel der Einrichtung ist die Befreiung der Hirne und Herzen konsumbekloppter Durchschnittsbürger und die Implementierung eines leidenschaftlichen Bekenntnisses zum kreativen Größenwahn.
Der Blogozentriker wird in einer ersten Phase der Institutsinstitutionalisierung persönlich Workshops durchführen, in deren Verlauf vier bis sechs Teamleiter herausgesucht werden. « Den Rest dieses Eintrags lesen »