Die schwarze Taste
Januar 16th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Er dachte sich nur: “Leckt mich am Arsch!” Er dachte sich: “Ich pfeif auf eure Konstruktionen!” Dass ihm die Kritiker unter die Nase rieben, sein Roman “Hohlräume” sei schlampig konstruiert, brachte ihn auf die Palme. Da musste er erst mal ein Bier saufen, fast auf Ex. Dabei beruhigte er sich wieder, wenn der Hopfen in seinen Bauch strömte. Was sollte das denn überhaupt heißen, “konstruiert”? Was war denn konstruiert in der Welt? Alles folgte irgendwelchen eingepflanzten Entwicklungsgesetzen, wie schon Goethe das postuliert hatte. Alles wucherte, wuchs, wummerte und blühte, platzte auf in alle Richtungen, schillerte davon, fröhlich nach dem Gesetz der Entropie. Ordnung war dazu da, sich zu verflüchtigen, so lautete die Faustregel des Universums. Und da kam dann so ein Lackaffe aus dem Feuilleton, bestimmt so ein Doktortitel-Träger, und warf ihm vor, er sei ein “Asphaltliterat”, ein “Mann ohne höheren Gesichtspunkt”, “ohne strenge künstlerische Zucht”. Vermutlich diktierte dieser Kritiker, schrieb nicht etwa selbst, er diktierte seine Kritik einer Sekretärin, die an einem kleinen Tisch in der Ecke hockte, während er, der großmächtige Kritiker mit seinen übergeordneten Gesichtspunkten und der besseren Ordnung, an einem Flügel saß, natürlich an einem Steinway, dem Geschenk eines genialen Dirigenten, wo er ein paar Takte Schönberg klimperte, dann Mozart, am Ende Chopin, aber das war Fingerakrobatik, das konnte nicht jeder, das war ja wie Liszt, Mensch, verdammt, der Kritiker ärgerte sich, weil er schon wieder patzte. Und darum sagte er gallig: “Auf solche Romänchen können wir in Zukunft gut und gern verzichten, Ausrufezeichen, das war’s dann, Frau Honig.”