Blumenstrauß des Bösen
Januar 21st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Stimmt das? Haben Sie das gesagt, Bob?
Henry hatte vor mir Aufstellung genommen, vor meinem Schreibtisch, und natürlich stimmte, was Donna behauptete. Ich hatte über Henry vom Leder gezogen, dass es eine Art hatte. Aber das jetzt zuzugeben — so blöd war ich dann doch nicht!
- Natürlich stimmt es nicht, sagte ich demgemäß.
- Damit steht Ihr Wort, Donna, wandte Henry sich an seine Untergebene, gegen Bobs. Eine Zornesfalte hatte sich über seiner Nasenwurzel gebildet. Und ich muss sagen, fuhr Henry mit einem leisen Grollen in der Stimme fort, dass ich es allmählich etwas leid bin, dass Sie Gerüchte und Animositäten in meiner Abteilung streuen!
- Aber ich …
- Nein, Donna, jetzt kommen Sie mir nicht so! Gestern behaupten Sie noch, Georg habe Sie bei Ihren Kollegen angeschwärzt, und heute …
Georg verfolgte den ganzen Wortwechsel, der in unserem Büro stattfand, mit einer Miene konzentriertester Aufmerksamkeit. Er wurde etwas blass dabei.
- Heute dann, rief Henry erbost aus, ist es Bob, der Ihnen am Zeug flicken will, und mir obendrein gleich mit! Was ist denn nur mit Ihnen los, Donna? Leiden Sie etwa an Verfolgungswahn? Dann sollten Sie zum Arzt gehen und nicht ins Büro!
Ich verkniff mir ein Grinsen. Versteht sich doch von selbst, dass ich es war, der gestern herumgetratscht hatte, Georg habe sich abfällig über die Qualität von Donnas Arbeit geäußert. Von mir stammte auch der Hinweis darauf, sie “ficke wohl zu viel mit dem Vertrieb herum”. Diese zarte Bemerkung hatte den Vertrieb ernstlich verstimmt, und zwar gleich in zwei Richtungen. Zum einen gegen Donna, der man vorwarf, die Quelle definitiv unwahrer, den häuslichen Frieden gefährdender Gerüchte zu sein, und zum anderen gegen Georg. Wie der überhaupt auf solche Ideen käme? Warum er solche Behauptungen aufstelle?
Der arme Georg! Wenn Sie ihn kennen würden, wüssten Sie, dass er nicht der richtige Mann ist, kaltblütig über solche Vorwürfe hinwegzugehen. Es traf ihn tief, was man ihm vorwarf, doch wurden seine Entschuldigungen vom Vertrieb nicht akzeptiert. Man sah in ihnen nicht so sehr einen Beweis für die Sensibilität seines Gewissens, sondern einen Beweis für die Unlauterkeit seiner Absichten. Weil Georg die Sache bereinigen wollte, hielt man ihn für schuldig. Und weil ich rein gar nichts tat, hielt man mich für unschuldig wie einen Frühlingsmorgen.
Es gab im Vertrieb ziemlich viele dieser mittelalten Säcke, die von früh bis spät garantiert an nichts anderes denken als ans Ficken, weil ihre Alten daheim sie nicht mehr ran lassen. Diese Frustrationen hatte ich mir für meine Behauptungen zunutze gemacht. Donna war auch ein bisschen der Flittchen-Typ, sie schäkerte andauernd mit den Kollegen herum, vor allem mit den jüngeren, und wenn das alles sicher auch ganz harmlos war, da Donna unterm Strich eine ehrliche Haut war, ging ihr Geturtel manchen bei uns doch ziemlich auf den Zeiger.
Insofern war der Boden bereitet für die Keimlinge des Gerüchts, des Argwohns und des Verdachts. Und ich war ein begeisterter Sämann! Wie denn nicht? Zerstören und Unfrieden stiften, das hatte ich schon zu Schulzeiten meisterlich beherrscht! Warum, glauben Sie, hätte ich sonst zum Fernsehen gehen wollen? Vor meinem geistigen Auge sah ich überall schon die Saat des Verderbens in voller Blüte stehen.