Gesellschaftskritik
Januar 21st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Mittlerweile jedoch scheint die Kritik an der Gesellschaft eher ein Teil des Problems zu sein denn ein Schritt hin zu dessen Lösung. Gesellschaftskritik ist ubiquitär. Dadurch verliert sie ihren Wert, stumpft ab. Sie ist ein Messer, das nicht mehr schneidet, nur hässliche Druckstellen hinterlässt, und nichts ist unserer Gemeinschaft mehr ein Gräuel als das, was uns entstellt. Wir sind auf Hochglanzästhetik abonniert, der blaue Fleck gehört nicht dazu. Aus lebensrettender Chirurgie wurde eine Branche des allgemeinen Designs. So schnippeln die Kritiker an unserem Gesicht herum, vergrößern die Nase, verkleinern die Nase, spritzen die Lippen auf und zerren Füllmaterial aus den Lippen heraus, verschieben das Kinn, heben die Augenbrauen, glätten die Falten, um danach künstlich neue zu ziehen. Es ist ein Wahnsinn. Keiner weiß eigentlich mehr, wie man überhaupt aussehen sollte, heutzutage, als Mensch, nach dem Ende der großen Erzählungen, welche wohl keine Garantien gaben, aber doch wenigstens Winke. Heute steht man allein auf weiter Flur, mit einem unbestirnten Himmel über sich, und ruft die Astro-Hotline an. Die jedoch rät nur: Geh doch mal aus dir heraus! Wie soll man das aber tun, wenn einem noch nicht einmal die Haut gehört, die einen umspannt wie eine Zwangsjacke?