Zusammenhänge

Januar 21st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Eigentlich, vielleicht ist es erlaubt, diesen Gedanken mitzuteilen, stellt der Roman “Hohlkörper” eine einzige Kritik am Betrieb dar — “Betrieb” verstanden als Institutionalisierung und Verdinglichung zwischenmenschlicher Verhältnisse. Vor allem natürlich gilt die Kritik dem literarischen Betrieb. Dass dieser sich darauf verpflichtet hat, nur noch gehobene Durchschnittsware an seine Verbraucher heranzulassen, diesen also einerseits die Frustration durch Schrott, andererseits aber eben auch die Frustration durch ihren Horizont überschreitende Texte zu ersparen, ist ein Skandal. Ein anderes Wort gibt es dafür ja gar nicht. Man hat im Lektoratsstübl heute einen Verbraucher im Sinn, und man meint es sicher auch gut mit diesem, subjektiv — objektiv aber schafft man einen lallenden Säugling, der sich schon die Windeln füllt, wenn mal ein Fremdwort vor ihm auftaucht.

Sicherlich muss man daran die Frage anschließen, ob das Verlagsgeschäft der Literatur wirklich noch gewachsen ist. Oder ob da nur noch die Medienstrategen hocken, die das Exposé überfliegen und dann denken: “Ah, das ist ja schön krass, das ist ein Buch für die SZ! Und der taz könnt’s auch gefallen!” Wie viele Jahre Berufserfahrung sind vonnöten, bis ein einst für die Literatur gebrannt Habender zum erkalteten Vulkan geworden ist? Und nur noch durchwinkt, was von renommierten Agenten herangetragen wird? Während die Praktikantin die ganzen Rechtschreibfehler ausbügeln darf?

Mich ärgert es selbst, dass obige Sätze so zynisch nicht nur klingen und dabei einer naturgetreuen Abbildung der Verhältnisse doch vermuteter Weise recht nahe kommen. Mich ärgert es maßlos, dass die Blödheit dieser Gesellschaft einen in den Zynismus zwingt, weil sie selbst ihn sich als Richtschnur fürs Alltagsgeschäft hat verpassen lassen! Wo sind Herz und Wagemut, wo sind common sense und moralische Integrität? Das Schlimmste aber ist doch, dass das Durchschnittsarschloch seine schreckliche Heruntergekommenheit gar nicht wahrnimmt, sondern sich in humanistische, womöglich von Schiller inspirierte Phrasen übers liebe Ich flüchtet! Mir den anständigen, wachen, integren Kerl vorspielt. Und dabei sagt, der Blogozentriker, das sei ein übler Hund mit seinem Arschlecken und Furzen! Wogegen ich mich nur verwahren kann mit dem Hinweis: Auch die Olympia Press damals habe “Lolita” und “Naked Lunch” mit Pornos finanziert.

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