Lucky Strike
Januar 22nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Heutzutage hat jeder so viel gehört, dass er glaubt, er habe schon ALLES gehört. Vor allem, da alles, was er zu hören bekommt, im Modus größtmöglicher Überzeugtheit vorgetragen wird, durch ein Megaphon gesprochen, das von der Wall Street bis zum Brandenburger Tor reicht. (Und ich sage Ihnen, das ist WIRKLICH laut!) Im Gehirn haben sich darob so viele Filter-, Warn- und Schutzmechanismen etabliert bei jedem von uns, dass an ein Durchkommen nicht zu denken ist. Das ist ja auch gesund, sonst fielen wir wirklich auf jeden Stuss herein. Die meisten lassen allenfalls noch die Fußballergebnisse am Samstag passieren. Alles andere wird sofort als Fremdkörper markiert und vom persönlichkeitseigenen Immunsystem durch eine Attacke von Abwehrkörpern zu Matsch verarbeitet. Zum üblichen Neuigkeiten- und Nachrichtenbrei. Spuck’s aus, Johnny!
Mit direkter Ansprache kommen Sie also nicht weiter. Was aber immer zieht, ist die unterschwellige Beeinflussung, und darüber möchte ich Ihnen heute mal was erzählen. Subliminale Botschaften, das ist das Zauberwort. Wenn ich bei einem Kneipenabend beispielsweise immerzu, ganz schnell, so ungeheuer schnell, dass es kaum zu verstehen ist, und dazu noch ganz leise, so leise, dass es noch mal kaum zu verstehen ist, wenn ich in diesem Stil also nach jedem Satz “Lucky Strike” sage und dabei mit einer Streichholzschachtel herumspiele, auf der ein Nostalgiemotiv aus der glücklichen Zeit zu sehen ist, da Werbung für krebserregende Stoffe noch erlaubt war, dann werden Sie, wenn Sie Raucher sind, irgendwann losmarschieren, um sich eine Packung “Lucky Strike” zu ziehen.
“Quatsch”, höre ich Sie da einwenden, mit nörglerischem Gesichtsausdruck (wie ich diesen Gesichtsausdruck hasse! Aber ich beherrsche mich). “Wieso sollte ich mir Zigaretten holen gehen, wenn ich dich gar nicht verstanden habe?”
“Hey, seit wann duzen wir uns?”
“Jetzt sag halt mal, und tu hier nicht doof rum.”
Ja, würde ich, mehr als nur leicht indigniert, erwidern, das sei doch ganz klar. Natürlich hätten Sie — oder du, meinetwegen — die Botschaft, die ich gesendet habe, BEWUSST nicht wahrgenommen. Dafür sei das Bewusstsein, sei das Denken zu träge, zu schwerfällig, zu bräsig. Aber das UNTERBEWUSSTSEIN, das habe sich eben gierig mit den akustischen und optischen Reizen vollgesogen, habe sich aufgeladen mit Sehnsucht nach “Lucky Strike”, bis das erzeugte Begehren irgendwann übergeflossen sei und ins Bewusstsein geströmt …
“Ja, Quark!” Sie lachen, arrogant und großmäulig. “Das funktioniert vielleicht bei charakterlosen kleinen Wichsern wie Ihnen — nix für ungut. Aber bei einem Typen wie mir? Mich haben sie damals beim Bund auch nicht knacken können!”