Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

Januar 27th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich bin eine Totgeburt. Als meine Mutter mich zur Welt brachte, war ich tot. Die Nabelschnur hatte sich um meinen Hals gewickelt und mich erstickt. Ich war sozusagen stranguliert worden. Von wem? Eine zünftige Strangulation hat ja immer ein Subjekt und ein Objekt. In diesem Fall war das Objekt eindeutig ich. Eine Sache war ich, ein Ding. Ich hatte ja nämlich noch nie “Ich” gesagt, als ich in die Welt gespült wurde in einer Schmiere von Blut und Wehklagen. Ich war ganz blau, beinahe schwarz im Gesicht und brachte nicht mal einen Schrei zustande. Ich lag nur da, und die Hebamme hob mich auf. Den Schrei produzierte daraufhin meine Mutter. Ich hörte diesen herzzerreißenden Laut, vielleicht durch die Nabelschnur. Um meinen Hals mehrfach in spiralenartiger Aufwärtsbewegung herum schoss der markerschütternde Schrei meiner Mutter mir ins Hirn, und wenn ich mit der Entwicklung der Ereignisse auch nicht durch und durch unzufrieden war, unter uns gesagt, ging ich doch in mich und gab mir einen Ruck. Ich konnte meine Mutter nicht leiden sehen. Ich wollte nicht als Säugling schon unfassbares, unstillbares Leid produzieren! Das tat man doch einfach nicht, dachte ich. Sie hatte sich so auf ihr Kind gefreut, die gute Frau. Ich führte also einen umgekehrten Selbstmord durch. Ich katapultierte mich ins Leben zurück.

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