Marketing und Ironie
Januar 28th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
“Ironie, aha. Tja, die Marketingwelt ironisch darzustellen, ist schwierig, weil da grundsätzlich alles denkbar ist. Dass Produkte entwickelt werden, mit denen Menschen reden, ist ja Realität.”
Lesermeinung
- Bitte, sagte die junge Frau mit dem sorgfältig frisierten blonden Haarschopf und dem Näschen mit dem ganz zart-feinen Sommersprösschen in der Mitte zu ihrem Geschirrspülmittel, könntest du heute bitte nicht ganz so scharf sein, ja? Nicht ganz so beißend und ätzend? Mir haben gestern Abend richtig die Hände gebrannt im Club, ich meine, bei dieser Kälte, sonst macht es mir ja …
- Und wie soll ich, unterbrach das Geschirrspülmittel schlecht gelaunt, diesen ganzen Rotz von den Tellern kriegen? Ja, ja, schön Spaghetti mit Pesto rosso fressen, ätzte das Spülmittel, aber dann die Zeche nicht zahlen wollen im Spülbecken!
- Ja, aber. Die junge Frau hatte Tränen in den Augen. Seit ihrem Tennislehrer hatte kein Mensch sie mehr so hart angefasst! Vielleicht der Erdkundelehrer, damals, als sie partout nicht hatte sagen können, vor der Weltkarte stehend, wo Amerika wäre. Aber der war nicht in sie eingedrungen.
- Nix aber. Das Geschirrspülmittel schlug einen noch schärferen Ton an. Glaubst du etwa, mir macht das Spaß? Mich hier allabendlich aufzureiben für einen guten Zweck, und das einzige, was ich dafür als Lohn bekomme, ist dein Gejammer? Ich mach hier hohe Wellen, ich schäume für meine Sache, und du? Heul, heul, heul! Ich hab’s echt langsam satt! Andere Geschirrspülmittel in meinem Alter machen Karriere, die drehen einen Werbespot, oder sie sind in Kochsendungen mit Profis zu sehen!
- Was denn für Profis?
Unser Blondchen wischte sich eine Zähre aus dem Augenwinkel.
- Na, Profis halt, grummelte das Geschirrspülmittel. Leute, die vor der Kamera stehen. Und so.