Energie
Februar 2nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Wissen Sie, Balzac, sagte Bob, und dann stierte er doch nur wieder in seinen Kaffee. Er nickte mechanisch.
Ich machte mir echt Sorgen um meinen alten Kumpan.
- Hey, Bob, sagte ich. Das wird schon wieder!
Er lächelte leer.
- Ja. Klar.
Es war kaum zu verstehen, wenn er redete.
Ich wandte mich an Madame Domingo:
- Das ist eine schwere Phase.
- Das scheint mir aber auch so, meinte Madame Domingo und schlug ihren Schleier zurück.
- Bob ist so ein bisschen, na ja.
Ich tippte mir an die Schläfe.
Bob nickte.
- Kann man da denn nichts machen? Madame Domingo kramte in ihrer Handtasche. Ich hatte doch gestern hier noch ein paar Stimmungsaufheller …
- Nein, intervenierte ich schnell, Bob lehnt Psychopharmaka kategorisch ab!
- Ist das wahr? Madame Domingo standen Tränen in den Augen, ein verräterisches kleines Glitzern in den Augenwinkeln dieser starken, schönen Frau. Aber diese kleinen bunten Pillen — das ist doch das Schönste, was uns das Leben überhaupt zu bieten hat?
- Die Werke des Dionysos, murmelte Bob.
Der alte Starrkrampf hatte ihn befallen. Die Schultern waren schon ganz steif. Auch sein Grinsen wirkte wie mit Drähten erzeugt. Hoffentlich bekam ich ihn nachher überhaupt noch in den Aufzug.
Madame Domingo beugte sich ein Stückchen vor.
- Wie meinen?
- Er meint, dass er gern etwas trinken würde, dolmetschte ich.
- Ah. Dionysos. Der Gott des Weines.
- Genau.
- Dann bestellen wir ihm doch einen Wein, vielleicht?
- Geht nicht. Nur noch Softdrinks.
Bob wimmerte.
- Das, sagte ich mit fester Stimme, gehört zur neuen Linie von n+2!