Für den er leben konnte
Februar 2nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Und dann hatte es ihn aufgelöst. Das ständige Angestarrtwerden. Wer hielt das schon aus? Jeder wollte etwas von ihm. Jeder wollte von ihm den Arsch gepinselt haben.
Bob zog sich noch ein Stück weiter in die Nische zurück, griff nach seinem Bier wie nach einem Schwert. Seine Blicke wanderten immer wieder zum Zigarettenautomaten hinüber. Dabei rauchte er schon seit zwei Jahren nicht mehr. Seit zwei Jahren hielt er sich aus allem raus. Seit zwei Jahren war er Mr. Vernünftig. Er machte seine Scherzchen, erhielt dafür seinen Gehaltsscheck. Keine bitterbösen, gallenschwarzen Texte mehr. Stattdessen diese Scheiße, dieses Ha-ha-ha-Zeug.
Alle bitte klatschen. Oder auch nicht. Wie Sie wollen.
Jetzt hätte er gern eine Zigarette geraucht. Mit dem Herzstechen hatte es angefangen. Konnte natürlich auch psychosomatisch sein. Vielleicht hatte er sich nur eingebildet, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Möglicherweise kam das vom Kopf her.
Oder von Jessica.
Dass Jessica ihn verlassen hatte, war der Anfang vom Ende gewesen. Nie hätte er sich das eingestanden. Aber es war so. Für Jessica hatte er gelebt. Ihm kam es so vor, als wäre er ein glücklicherer Mensch gewesen, solange es jemanden gab, für den er leben konnte. Jetzt lebte er nur noch für sich, und was war das schon wert?
Ein Mann, der für sich selbst lebt. Ein Mann ohne Ziel.