“Kundschaft!”
Februar 5th, 2010 § 1 Kommentar
Leutchen, denen man die Tür aufhalten muss, damit sie einen demnächst wieder beehren? Text-Konsumenten, die Anspruch auf ein bisschen zwischenmenschlichen Mehrwert haben, auf das Benefit ständigen sofaseligen Gequassels? Nee, so sah ich die Leser des “Blogozentrikers” eben nie! Vielleicht sah ich in ihnen dann sogar eher noch Verwandtschaft — im Sinne allerdings einer Wahl-Verwandtschaft. Bloß nicht Bluts-, jenes Bluts nämlich, mit welchem immer das Blut gemeint ist, das die Verwandten am liebsten fließen ließen … nein, eine geistige Affinität, ein freundliches Wiedererkennen des einen oder anderen Charakterzugs im Fremden womöglich, eine vorsichtige Sympathie … so etwas hatte ich im Sinn … Freundschaft. Ja, Freundschaft. Von allen menschlichen Beziehungen ist diese womöglich die sensibelste. Und seltenste.
Sie ist so selten, scheint mir, weil sie, anders als die Liebe, Gewalt in keiner Weise verträgt. Sie muss rein sein, oder sie ist nicht. Die Liebe ist von derberem Schrot und Korn. Was für Fausthiebe steckt nicht die Liebende ein, wenn sie sich nur weiter an ihre große Illusion klammern darf! Welche Demütigungen weiß nicht der Liebende aus lauter Feigheit und Einsamkeit in Glückszustände zu verwandeln!
Es klingt hart, wenn ich das sage? Es klingt, als wollte ich des strengen Thomas Hobbes berühmte Definition des Lebens als “hart, brutal und kurz” ausweiten auf das rosenumflochtene Bereich der Liebe? Nun, wohl denen, die nur die Rosen sehen und nicht das, um was sie so sorgsam gewunden wurden …
Das große Theater der zwei Seelen, die innig gegeneinander klopfen — die Gesellschaft beugt demütig das Haupt, sobald das Miteinander der Geschlechter zweier Menschen in Frage steht. (“Geschlechter” hier verstanden als “Geschlechtsteile”, analog zur Kantischen Definition dessen, was zwei sich Heiratende durch die Eheschließung vereinbaren: “der wechselseitige Gebrauch, den ein Mensch von eines anderen Geschlechtsorganen und Vermögen macht”.) Man will da nicht nachfragen müssen. Etwas wie Scheu, ein finsterer Schauder mag dabei auch eine Rolle spielen, nicht wahr?
Und dann ist es natürlich auch die uneingestandene Klugheit der geborenen Mengenmenschen, die genau wissen, weil in ihnen nie Platz war für das kleinste bisschen Naivität und Traum, dass die bürgerliche Liebe ein ökonomisches Verhältnis ist wie jedes andere. Ein Geschäftsverhältnis, eine GmbH. Und in der Ökonomie, lehrte uns Max Weber, habe das Gefühl nun einmal nichts verloren. Nur Dummköpfe und Romanautoren sehen das nicht ein. (Was, en passant, den Mengenmenschen beweist, dass Romanautoren notwendig Dummköpfe sind.)
So ein Quatsch. Man muss nicht alles überhöhen, vor allem nicht künstlich. Ich halte es schlicht für eine Frage guten Benehmens, auf Fragen und Kritik zu antworten. So, wie ich hier vor einer ganzen Weile einmal etwas zu einem Artikel geschrieben habe. Was soll ein Blog, wenn man keinen Bock auf Kommunikation hat?
Und von Kundschaft habe nicht ich geredet. Sorry, aber Rede und Gegenrede, Unterhaltung, ist etwas ganz normales. Da muss man keinen hochtrabenden Essay draus machen und seine tolle Intellektualität unter Beweis stellen.
Aber da du offenbar lieber monologisierst, bitte.