“This is a copy, right?”

Februar 12th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

- Und wenn es doch einem auffällt?
- Einfach mal so ne ganze Seite, sagte Bert “Big” Bruder. Er war skeptisch. Auch wenn es nur in einem Mini-Untergrund-Verlag erschienen ist. Riskant ist das schon.
- Vor allem, setzte Georg hinzu, wenn wir in solchen Auflagen denken. Mit jedem Exemplar steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einer was merkt.
- Und? Was soll’s! Bob lachte. Er dachte ja nicht daran, sich vom Kleinmut seiner Mitstreiter anstecken zu lassen! Denkt an Duchamp, Freunde! Das hat doch mit Literatur alles nichts zu tun! Wo ist denn das Ich, bitte, das sich ausspricht? Hat hier jemand Herzblut investiert oder Seelenschweiß? Wir haben es mit dem krakenartigen Wir des Internets zu tun. Da darf man nicht so zimperlich sein. Dem darf man ruhig mal die eine oder andere Preziose aus den Tentakeln winden. Diese Selbstvermarkter im Internet tragen alle keine Samthandschuhe! Steal as steal can.
- Dichter haben schon immer voneinander abgeschrieben, gab Georg zögernd zu.
Ihm war allerdings immer noch nicht ganz wohl bei der Sache.
- Die PR-Strategie ist einmalig. Bob hatte leuchtende Augen. Georg, das haben wir doch Tausend Mal durchgesprochen! Die Leute werden eh von der Zahl so geblendet sein, dass sie den Text gar nicht richtig wahrnehmen. Die lesen das alles doch höchstens diagonal! Sie werden nur eines denken, immer und immer wieder: 17.
- Süße 17, rief Georg.
- Der Titel ist jedenfalls super, murmelte Bert “Big” Bruder, den Vorabdruck in den Händen. Sieht sehr schmissig aus. Vielleicht ein bisschen bunt, aber das …
- … das ist heut eben so, komplettierte Bob den Satz und nahm “Big” die Schwarte aus der Hand. Das ist modisch. Grell leuchtende Farben.
- Und Fremdwörter. Was ist das eigentlich, fragte Bert “Big” Bruder unvermittelt, so ein Axolotl? Was bedeutet das?
- Ach, das ist nur so ne Art Lurch.
- Echt niedliche Tierchen.
- Und wenn wirklich einer was merken sollte, Georg, sagte Bob, als fiele ihm das Argument jetzt erst ein, dann sagen wir einfach: Ja, sorry, das Kind war halt erst 17. Die wusste doch nicht, was sie tat!
Es wurde noch eine Weile geredet, vor allem über die Gefahren, die für denjenigen bestanden, der mitten in der Nacht, im Dunkeln, eine Landstraße im Kriechgang überquerte. Wie leicht wurde man dabei platt gefahren!
Bob seufzte vernehmlich, als Bert “Big” Bruder endlich das Büro, das Bob sich seit unvordenklichen Zeiten mit Georg teilte, verlassen hatte.
- Endlich mal was anderes als diese Mystery-Thriller in Rosenkreuzer-Soße, was?
Bob nickte. Er lächelte.
- Hat einfach mordsmäßig Spaß gemacht, sagte er leise.

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