Stil als Schicksal

Februar 27th, 2010 § 2 Kommentare

Man muss heute ja schon ein Idiot sein, um für eine Zeitung wie das “Abendblatt”, Hamburg, Geld hinzublättern. Oder man steht sehr auf Papier. Die Informationen, die man sich hier abholen kann, gibt’s im Internet auch, und umsonst. Was man sich aber im Internet nicht holen kann, ist eine HALTUNG. Die gibt’s aber leider auch im “Abendblatt” nicht. Wenn es dort heißt, dass der “Süddeutsche Verlag” mal wieder Stellen abbaue, dann ist das eben auch nicht mehr als eine Meldung. Geschrieben zwar in der Kolumne eines professionellen Medien-Observateurs. Aber eine konsequente Haltung bringt dieser Typ, ein gewisser Kai-Hinrich Renner, auch nicht zustande. Dabei ist es ja eine Schande, dass in Zeiten wie diesen ein Mediengigant Leute entlässt, um die Profitmarge zu erweitern!

Oder dass DuMont, auch so ein Global Schaumschläger, dazu übergeht, für verschiedene Redaktionen mit einem einzigen großen Journalisten-Pool zu arbeiten, also viele verschiedene Printmedien aus einer Quelle zu speisen, wäre ja eigentlich die interessanteste Meldung. Das wäre der Aufmacher! Denn damit hätte man ja die Erklärung für den rapiden Verfall des Journalismus. Wie, zum Henker, sollen die Artikel eines Blattes eine Philosophie, eine spezifische Weltsicht, eine Haltung, und sei’s die reaktionärste, transportieren, wenn sie von irgendwelchen Indern in einem Keller in Berlin zusammengeschmiert werden? Das ist für den so genannten Qualitätsjournalismus der Todesstoß. Wieso soll ich als Leser an einer Zeitung hängen, die nicht mal an ihren Mitarbeitern hängt?

Kai-Hinrich Renner mag das alles auch wissen. Aber er klopft nicht mit dem Hammer auf den Tisch. Er haut nicht auf den Putz. Er macht aus dieser Einsicht nicht die eigentliche, die wirkliche Nachricht! Dieses ganze Zeug, muss man sagen, das man heute zu lesen bekommt, ist wirklich sein Geld nicht wert. Kein Wunder also, dass die Leute sich mehr und mehr weigern, dafür etwas hinzublättern. (Dabei sind Zeitungen eigentlich eine tolle Sache, finde ich. Aber wenn es wirklich kein Vergnügen mehr ist, sie zu lesen? Allein schon wegen der sprachlichen Ungewandtheit, Schlampigkeit und Nonchalance der Schreiber? Eine ganze Generation von denen wuchs auf im Glauben, sie schrieben “cool”; dass sie in Wahrheit einfach ohne Haltung schreiben, technisch gewandt, okay, aber sonst larifari, ohne Sinn und Verstand — das ging ihnen nie auf.)

Es waren ja nie die Informationen, für die die Leute bezahlt haben. Sondern es war immer der Stil, die Haltung, das Weltbild, dessen man sich schon beim Frühstücksei noch einmal versichern konnte. Was auch geschah in dieser irrsten aller Welten, es wurde vom Lieblingsblatt eingeordnet, eingemeindet, in die richtige Form gebracht, so dass man später im Büro, in der Kneipe, im Familienkreise angemessen darüber diskutieren konnte. Eine Zeitung soll eine Lebenseinstellung festklopfen und mir nichts über Madonnes Po-Lifting erzählen! Und wenn sie etwas über Madonnas Po-Lifting bringt, dann möchte ich bitte auch wissen, wenn ich darüber gelesen habe, was ich, als guter Leser meiner Zeitung, davon zu halten habe! Nämlich, dass Madonna der lebende Beweis ist, dass man Erfolg kaufen kann, aber die Seele nicht.

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§ 2 Antworten auf Stil als Schicksal

  • Vau sagt:

    Madonna hat sich den Po liften lassen? Echt? Ja, Wahnsinn!

  • Blogozentriker sagt:

    Aus der MoPo: “Endlich! Dem Blogozentriker wurde das Handwerk gelegt! In seinem vorletzten Eintrag hatte er das Spiel zu weit getrieben, jetzt gingen die Anwälte des Superstars Madonna gerichtlich gegen ihn vor. Für seine Behauptung, ihre Mandantin habe sich das Gesäß chirurgisch richten lassen, sollte der ‘Krawallschmierulant’ (yahoo.de) eine Summe im sechsstelligen Bereich zahlen. Das Gericht gab dem Antrag ohne Prüfung statt. Da der Blogozentriker zu dieser Zahlung jedoch nicht bereit oder in der Lage war, stellte die Staatsanwaltschaft Hamburg ihm in einem Akt vorauseilenden Gehorsams den Saft ab. Jetzt sitzt ‘das Schwein’ (tittennetz.de) im Dunkeln!”

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