Neulich, im Hard-boiled Café …
Februar 28th, 2010 § 1 Kommentar
- Und dieser Marvin hat Ihnen das angetan?
- Ja.
- Der muss ja richtig, ich meine. Hat der Sie mit seinen Fäusten bearbeitet, oder was? Wie kam das denn?
- Er liebt mich.
- Das steht wohl außer Frage, sagte Bob, seinen Kaffeebecher auf dem Tisch abstellend. Bisher hatte Bob schweigend mitangehört, was Mrs. Delaney uns zu sagen hatte. Jetzt kam er, die Hände in die Hosentaschen gestopft, zu uns heran gedackelt. Seine Kiefermuskeln mahlten, um seine tiefe innere Erregung zum Ausdruck zu bringen.
- Nein, er liebt mich wirklich. Er ist nur manchmal so unbeherrscht, sagte die Frau, die “aus ihrem ganzen Gesicht geblutet” hatte, um die Worte des Arztes zu zitieren. Sie müssten ihn kennen, sagte sie, dann würden Sie verstehen.
- Ich muss Ihren Marv nicht kennen, um ihn zu verstehen. Wie ich ihn auch nicht kennen muss, um Sie zu verstehen, Mrs. Delaney.
Bob lehnte gelangweilt an der Wand. Er hatte jetzt die Arme vor der Brust verschränkt. Er sah Mrs. Delaney an wie einen Colaautomaten, der dadurch, dass er nicht geht, einem Haufen Teenager einigen Verdruss bereitet.
- Er ist ein wunderbarer. Mrs. Delaney sah mich flehend an. Sie müssten erleben, wie er mit Eric spielt. Unserem Sohn. Wie viel Liebe in ihm ist.
- Ihr geliebter Marvin ist hochgradig manipulativ, sagte Bob. Er unterdrückte ein Gähnen. Wenn ich dürfte, würde ich den Wichser an den Eiern aufhängen lassen. Aber das darf ich nicht.
- Er ist ein.
Mrs. Delaney sah mich an, als hätte sie mir gerade das Stichwort gegeben. Aber ich hatte partout keine Ahnung, was ich zur Verteidigung dieses brutalen Schlägers hätte sagen sollen! Ganz offensichtlich teilte sie ihre Wohnung mit einem sadistischen Psychopathen!
- Mrs. Delaney, sagte ich also. Vielleicht sollten Sie Ihre Einstellung zu Ihrem Lebensgefährten noch einmal prüfen? Wo Bob nicht ganz und gar Unrecht hat, ist doch wohl die Einschätzung, dass Ihr Marvin ganz so liebevoll, wie Sie ihn schildern, nicht sein kann, wenn er in der Lage war, Ihnen anzutun, was er Ihnen angetan hat.
- Ersthelfern, die Einiges gewöhnt sind, ist übel geworden bei Ihrem Anblick, sagte Bob. Er sagte es finster. So finster, wie ich Bob selten erlebt habe.
- Ich, nein. Mrs. Delaney schüttelte ihren Kopf. Wenn Sie nur begreifen könnten …
- Mrs. Delaney. Bob löste sich von der Wand und stürmte heran. Er nahm vor der armen, verängstigten Frau Aufstellung. Wenn Sie wollen, dass dieser Typ Sie zu Brei schlägt, dann nur zu. Dann fahren Sie nach Hause. Nur bitte, verschwenden Sie dann nicht weiter unsere Zeit! Wir hatten gedacht, Ihnen könnte daran gelegen sein, dass wir Ihnen helfen. Damit Ihnen so etwas nicht wieder passiert.
- Aber Sie kennen Marvin doch gar nicht!
- Sie meinen, es handelt sich bei meiner Einschätzung der Situation um ein Vorurteil?
- Ja!
- Soll ich Ihnen mal sagen, was Ihr süßer kleiner Sohn mal für eine Ratte sein wird, Mrs. Delaney, wenn Sie nicht die Reißleine ziehen?
- Bob, sagte ich scharf. Es reicht!
- Alles klar, Euer Ehren! Bob tänzelte in Richtung Tür. Ich geh pissen. Und wenn ich wiederkomme, will ich diese blöde Nutte hier nicht mehr sehen. Und wenn sie noch da sein sollte, wenn ich wiederkomme, dann prügele ich sie eigenhändig zur Tür hinaus. Darauf kannst du Gift nehmen, Georg!
Und damit ging er hinaus.
Ich musste erst mal Luft holen.
- Also, Mrs. Delaney, sagte ich, so habe ich meinen Kollegen noch nie …
- Aber nein, lassen Sie nur. Die Dame lächelte beinahe glücklich. Ich glaube, er macht sich bloß Sorgen um mich!
Hey, das erinnert mich an meine Mutter und ein Gespräch in meiner Familie.
Naja, ich kann nicht sagen, dass ich eine Ratte geworden bin – nur eine depressive und irre Psychopathin, was durchaus schlimmer ist.