Neue Folge
Februar 18th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Endlich war die Agentur „Macha & Schauer“ eingegangen. Einer der Gründe dafür war definitiv meine Trinkerei, der andere, nicht minder wichtige Grund war, dass unsere Auftraggeber sich spätestens auf S. 150 das Leben nahmen. Mit schöner Regelmäßigkeit. Ein Asiate, ein Bayer, ein Westfale, ein Grieche. Alle tot, auf S. 150. Wie oft haben Georg und ich mit unserem Verlag telefoniert, dass sie doch bitteschön endlich mal einen anderen Schreiber ran lassen sollten! Nicht immer diesen Idioten, der ab S. 120 unseren Auftraggeber in eine psychische Krise kommen ließ. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Das System bist du
Februar 17th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Jeder Mensch, Georg, ist ein System! Ist dir das eigentlich klar?“
Ich rieche, während ich meinen Mantel über die Stuhllehne hänge, an dem Glas. Fruchtig-frisch. Hat Bob sich also zum Mittagessen mal wieder einen Schluck Rotwein gegönnt!
„Wieso ein System?“, rufe ich und verteile die Orangen in der Schale auf dem Küchentisch. Bob sitzt nebenam am Rechner. Er durchforstet das Internet nach irgendwelchen Informationen.
„Na, ein System halt. Mit ganz eigenen Regeln, Regelkreisen, Relais, Schaltungen, Parametern.“
„Hm“, sage ich dazu nur und stelle die Milch in den Kühlschrank. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Entscheidung im Abendlicht
Februar 17th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Wir sind pleite, sagt mir Brownie am Telefon, merkwürdig gelassen, wenn man bedenkt, welchen Text er da gerade zu sprechen hat. Würden wir einen Film drehen, und wäre ich der Regisseur, dann würde ich mit ihm jetzt ein ernstes Wörtchen reden. Die Haltung seiner Figur sollte er wirklich noch mal ernsthaft überprüfen!
Aber ich bin ja nur ein freischaffender Fotograf, der ab und an für Brownies Agentur gearbeitet hat, und Brownie ist ein mündiger Bürger. Darum stecke ich mir erst mal eine Zigarette an. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
12,84
Februar 16th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Der Typ an der Kasse im „Penny“ schaut auf. Blonde, sehr kurze Haare. Etwas schräg im Gesicht wächst eine Nase, die von seinen erfolglosen Versuchen als Kickboxer zeugt. Seine Hände sind schrundig, vernarbt, warzig, blatterig, mit ein paar wunden Stellen. Dieses knallrote Corporate-Identity-T-Shirt mit gelber Schrift, das allein schon aggressiv macht. Er löst die Hände von der Milchtüte und sagt noch einmal, lauter: „12,84.“
Der alte Mann im langen, speckgrauen Wintermantel, neben ihm steht seine Frau mit Kopftuch, die noch anderthalb Köpfe kleiner ist als er, ein Grieche mit Bart oder ein Türke mit Bart, vielleicht auch ein Albaner mit Bart, was weiß ich, jedenfalls trägt er einen Hut, der seine besten Tage hinter sich hat, und er entgegnet in strengem, vorwurfsvollem Tonfall: „Nicht“, und den Rest seiner Äußerung kann ich nicht mehr verstehen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Biss zum Erbrechen
Februar 16th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich lächelte dem jungen Mädchen zu und zog mich einen Schritt weiter zurück, zurück in den Schatten, in die Sicherheit. Draußen bohrte sich nämlich gerade ein enormer, fieser Sonnenstrahl durch das Gewölk über der Hensley Street und zerplatzte auf dem Dach eines Mercedes in Myriaden spritzender Lichtpünktchen. Sehr hübsch anzusehen, aber leider auch nicht gerade ungefährlich für einen wie mich. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Quaxotrottel Bullshit
Februar 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Mein Gott, hoffentlich haben die das jetzt nicht gehört! Ich hab so laut mit den Zähnen geknirscht vor Wut, es ist echt peinlich! Ich ziehe mir verlegen den Schirm meines Caps noch tiefer in die Stirn. Fuck you, denke ich dabei, fuck you, you dreckige Nutten!
Die Weiber sind echt heiß, die wollen mich aufgeilen, klaro, mit ihren fast nackten Beinen fast bis zum Bauchnabel, und das ist ihnen ja auch gelungen. Ich hab nen Ständer, und wie! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Dichter dran
Februar 15th, 2010 § 4 Kommentare
Mit leicht zittriger Hand nehme ich einen Schluck Wasser. Aus der Luft hier im Raum könnte man ein paar ordentliche Portionen raus schneiden, und dann könnte man daheim die Sitzkissen im Partykeller damit ausstopfen; die Leute saufen und qualmen wie die Irren. Meine Kehle ist ausgedörrt, und ich denke, dass ich mich dieser beschissenen Tortur AUF GAR KEINEN FALL hätte unterziehen dürfen! Eine Lesung, im „Südbalkon“, vor dem brutalsten und kritischsten Publikum der Stadt! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Der Lohn des Misserfolgs
Februar 14th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Überhaupt, die Liebe … HCS fragte sich, bequem in die Polster seiner Limousine zurückgelehnt, ob er eigentlich noch an die Liebe glaubte. Er hatte vorhin mit einem Studiogast, so einem Rockmusiker, über die Liebe gesprochen, weil er den Kontrast reizvoll gefunden hatte: Rocker und leidenschaftliches Gefühl. Der Rocker war sehr witzig gewesen, ungeheuer schlagfertig, ein durch und durch ironischer, smarter Typ mit blondierten Haaren. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Blood Gets In Your Eyes
Februar 14th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Er ertrug es nicht, wenn Literatur spielerisch war. Was er verlangte, war Ernsthaftigkeit, Bosheit, Wut, ein Hineinbohren ins wehe Fleisch des Lebendigen, wie mit dem Skalpell, um die ranzigen Stellen bloßzulegen. Bis auf die Knochen, wo die Wahrheit wohnt. Das, so dachte er, an seinem Rechner sitzend, die Stirn schwer gestützt mit zehn Fingern und zwei Ellbogen, das war doch die Aufgabe des Schriftstellers heute! Weh zu tun, verdammt! Schmerzen zu bereiten! Und zwar den Schweinen in den oberen Etagen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Spekulationssubjekt
Februar 13th, 2010 § 2 Kommentare
Was mich an Feinmann immer in Erstaunen versetzte — und was ihn schlussendlich auch in den Selbstmord trieb –, war, dass er eher an sich selbst zweifelte als an der Welt. Viele Kirchenväter, um jetzt mal etwas hoch zu greifen, sahen in diesem Sündenbabel von stinkender Mistkugel … nein, jetzt hab ich den Satz falsch aufgebaut, aber Sie begreifen, worauf ich hinaus will! Es gibt ja mehr als einen Ansatz, um den Globalzusammenhang Mensch zu kritisieren. Wir vergiften die Umwelt, verklappen Müll, füllen den Marianengraben mit unserer Scheiße. « Den Rest dieses Eintrags lesen »