Staatsfeind Nr. n+2

März 1st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

- Dabei haben die zwei sich gehasst.
- Trotzdem bekamen Sie kein Blatt dazwischen.
- Stimmt, die waren so.
Herbert klatschte seine beiden Handflächen aneinander.
- Wenn Sie versuchten, da dazwischen zu kommen, hielten sie zusammen wie Pech und Schwefel.
- Wie bei einem alten Ehepaar.
- Liegen die Autopsie-Ergebnisse schon vor?
- Sind grade rein gekommen.
- Und?
- Er ist an Herzversagen gestorben. Ursache war seine Leber.
- Er hat sich ins Grab gesoffen.
Der Agent grinste. BND-Leute. Nicht gerade eine zartbesaitete Spezies. Dieser sah aus, als wäre Kickboxen für ihn einfach zu lasch gewesen.
- Bob war kein Kind von Traurigkeit, sagte ich lustig.
- Anders herum wird ein Schuh draus, sagte Elenor. Sie sah hinreißend aus, aber sie war gefährlich. Vor allem war sie gefährlich, wenn sie ihre Tage hatte. So wie heute.
Ich biss mir auf die Lippen.
- Was hat die beiden überhaupt verbunden?, fragte Frank.
- Ich bin kein Psychologe, sagte Schachter. Ich bin Kryptologe.
- Sie kamen nicht voneinander los, sagte ich.
- Sehr tiefsinnig.
Elenor warf mir einen ihrer fiesen Blicke zu. Ich sah schnell zur Seite. Musste jetzt nicht sein.
- Wir sollten der Sache nachgehen.
­- Warum? Bob hatte mit Georgs Anschlag nichts zu tun.
Elenor suchte wirklich Streit.
Ich nicht.
Ich sagte:
- Wenn jemand auf die Kanzlerin schießt, dann müssen wir jedem Hinweis nachgehen. Auch dem allerabgelegensten. Wir müssen jede Spur verfolgen, sonst …
- Sonst treten sie uns in den Arsch, rief Herbert.
- Die lassen uns die Luft ab.
- Ich hab echt keinen Bock, dass uns der “SPIEGEL” wieder hinterher recherchiert.
- Und am Ende raus bekommt, dass wir was Faustdickes übersehen haben.
Endlich, Elenor lachte wieder! Jedenfalls kurz.
- Ist das überhaupt BND-Sache? Herbert kratzte sich den Nacken. Er sah irgendwie trübsinnig aus. Ich meine, wäre das BKA da nicht die zuständige Stelle?
- Bürokratenarsch!, spuckte Elenor aus.
- Na, na.
Jetzt reichte es mir aber. Ich riss mein Jackett von der Lehne meines face2buns und zog es an. Ich sagte:
- Wir sollten mal raus in Bobs Wohnung fahren und uns dort umsehen.
- Außer leeren Flaschen ist da nicht viel.
- Der Laptop?, fragte ich.
Frank senkte den Blick.
- Könnten wir checken, sagte er.
- Dann checken wir das, sagte ich. Kommt, Leute. Los. Irgendwo da draußen läuft Georg herum und plant vielleicht das nächste Attentat.

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