Klar. Könnte man.
März 13th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Unser Lied für Oslo. Gestern Abend. Die Moderatorin verwechselte schon in der Anmoderation Oslo mit Stockholm. Warum wohl? Weil in Schwedens Hauptstadt jedes Jahr der Nobelpreis vergeben wird. Da wär sie halt gern auch mal dabei gewesen. Mal was Richtiges machen. So aber guckte sie nur belämmert. Idiotin der Nation, für wenige Augenblicke, bis die rettende Musikeinspielung kam.
Dabei war das, was sie da als Freud’sche Fehlleistung präsentierte, ja gar nicht so blöd! Primo, jeder verwechselt doch diese ganzen faden skandinavischen Städte. Seien wir mal ehrlich. Die sind doch alle gleich, und das ist noch das Beste, was über sie zu sagen ist.
Secundo, den Nobelpreis wird man demnächst definitiv auch über ein DSDS-Format ermitteln. In der Jury sehe ich Arno Geiger, Verena Auffermann und Elke Heidenreich. Plus einen Überraschungsgast. Der erste wäre vermutlich Peter Handke, der dann aber so einen Blödsinn zusammenredet (“Literatur muss ehrlich sein, muss eine eigene Weltsicht ausdrücken, zur Not auch über Schmerzgrenzen hinweg”), dass die “Bild” gleich einen Skandal über seinem Haupt zusammenballt. (“Handke will Autoren quälen!”) Kai Diekmann selbst lässt sich den Stift reichen und schreibt die entsprechenden Bemerkungen nieder.
Handke verpisst sich noch in der Nacht nach Frankreich, Helmut Karasek, eh in der Nähe, wie immer, springt ein. Das bewährt sich sehr, Frau Heidenreich kann gehen. Zumal sie Sympathien gezeigt hat für Peter Handke und dessen Marotte, sich während der Lesungen Notizen zu machen.
Als nächsten ernsthaften Autor holt man Botho Strauß. Der jedoch weigert sich partout zu sprechen, will seine Statements nur schriftlich abgeben. Das Publikum könne das doch vielleicht in Form von Subtitles präsentiert bekommen, schlägt er vor.
Für ihn wäre das schon ein Kompromiss.
Fassungslosigkeit. Aufruhr. Dann: Na, okay.
Durs Grünbein teilt sich eine Kommentatorenkammer mit Frank Schirrmacher, gemeinsam schweben sie über dem Geschehen im kugelsicheren Glas. Die Zwar-nicht-Alten-aber-auch-nie-jung-Gewesenen. Ab der dritten Folge bleibt die Kommentatorenkammer leer. Durs Grünbein veröffentlich ein längeres Hexameter-Gedicht über die Umstände seines Rauswurfs, auf Lateinisch.
Ein Altphilologe in Tübingen stellt fest, dass Grünbeins Latein einfach nur ein Haufen Scheiße sei. Ferner sei seine Auffassung zentraler Einsichten von Lukrez “auf dem Niveau eines Volksschülers, vorgetragen jedoch mit der breiten Brust des gewohnheitsmäßigen Meinungsmachers”. Der Katalog seiner Einwände wird in der “Süddeutschen Zeitung” veröffentlicht. Frank Schirrmacher stellt sich schützend vor seinen Schützling, argumentiert sehr tiefsinnig mit “Büchnerpreis” und Gedächtnislücken, die das Internet verursache. Via “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, vulgo: FAZ.
Unterm Strich interessiert diese ganze Scheiße keine Sau.
Den Nobelpreis bekommt eine niederösterreichische Jung-Autorin, frische 19 Lenze jung. Ihr Vater: ein Grande aus dem Springer-Verlag. Eklat: Sie hat alles bei Peter Handke abgeschrieben, stellt sich exakt zwei Stunden vor der Dankesrede heraus. Die Übernahmen sind zum Teil (90%) wortwörtlich. Sie hält die Dankesrede trotzdem, bekommt dafür eine Sympathieerklärung von Kai Diekmann, eine Morddrohung des Fanclubs “peter handke chief” und, natürlich, den Nobelpreis.
Noch monatelang plätschert eine halbherzig geführte Debatte über neuartige Interpretationen des Autorenstatus durchs Feuilleton.
Dann wird, endlich, der Nobelpreis in Oslo verliehen. Aus Gründen des Umweltschutzes.