Kritische Masse

April 1st, 2010 § 2 Kommentare

Einfach mal alles raus hauen. So fängt’s an, so muss es anfangen. Mit ein bisschen Trotz, mit Wut, mit sich nicht beeindrucken lassen Wollen. Punk, Punkt, Ausrufezeichen. Sonst bliebe man ja bis ans Ende aller Tage in seinem Sessel hocken, das klebrige Rotweinglas zwischen den Fingerspitzen drehend, die Abdrücke der Kuppen in dem Schmier betrachtend.

Sinnend.

Verloren in Vorstellungen von einer Welt, die viel zu viel bietet, als dass Dr. Vernunft da oben im Denkapparat, Mittelflur ganz durch, dann links, sich wirklich Durchblick verschaffen könnte. Überhaupt wären wir wohl überrascht, erführen wir, von einer außerirdischen Instanz bescheinigt, per Elektro-Graph unwiderleglich dargelegt, wie irre wir sind. Was wir für rationale Entscheidungen halten, ist Regentanz im Dunkeln, ist Vogelschau mit zugekniffenen Augen. Kopf oder Zahl?

Tendenziell geht der Trend zur Zahl. Oder gleich zur Münze. “Ich nehm das Gehalt, der Rest ist mir egal.” Kann man auch keinem verdenken, oder? Man muss heute ja schon in Eigenleistung ein Kant werden, um sich der Totalverführung durch die Welt 2.0 entziehen zu können. Man muss selbst ein Computer werden. Das kalte Lächeln der Weltfreundlichkeit haut uns einfach durch den Ring. Die Warenaufstellungen bei Saturn — so müssen früher Heere da gestanden haben, im Sonnenglast des Mittelmeeres glitzernd, dass ein Rhapsode zum Pergament griff, um Hexameter zu schaffen, die immerhin für eine knapp 3.000 Jahre währende Ewigkeit hielten.

Schienbeinschoner, Brustpanzer, Pfeilspitzen. Wenn Sie das im Paket kaufen, gibt’s noch eine Achilles-Figur oben drauf. Aus Elfenbein, handgeschnitzt.

Wow!

Frohe Ostern.

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§ 2 Antworten auf Kritische Masse

  • Vau sagt:

    Sehr schön! Und Dir auch frohe Ostern, Blogo.

  • Nennen wir es einmal erlebte Postmoderne. Die ist zum Teil sicherlich auf die zu bewältigende Informationsmenge zurückzuführen. Auf Überforderung. Unser Verstand funktioniert, aber wir muten ihm zu viel zu, und müssen es, weil wir ein Bedürfnis nach Stimmigkeit (Ganzheit, Abgeschlossenheit, etc.) in uns tragen. Das was wir noch vermögen, was unser Verstand noch vermag, ist, dass er uns winzige Teilbereiche zugänglich macht (unter Ausschluss des Rests). Das ist natürlich völlig unbefriedigend. Und deshalb rotiert alles. Sagen wir: Unter anderem deshalb.

    [Das ist selbstverständlich zusammengestohlen. Von überall.]

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