Wrangelkiez

April 27th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Oberhalb von uns rumpelt die letzte U-Bahn in Richtung Friedrichshain.
Wie schreibt man das noch mal, frage ich Tobias Rapp, den ich bei seiner Recherchetour begleite. Mit A, oder?
Was meinst du? Wie schreibt man was?
Friedrichshain. Mit A, oder?
Mit A, ja, genau, gibt Rapp lässig zurück.
Ein SPIEGEL-Mann, der Tobias Rapp. Knallhart. Der hat alles gesehen.
Ich hoffe, Gleiches morgen früh von mir auch sagen zu können.
Rapp recherchiert für sein Buch LOST AND SOUND, über “Berlin, Techno & der Easyjetset”. Darum stehen wir jetzt am Schlesischen Tor in Berlin-Kreuzberg. Rapp trägt einen dunklen, eleganten Mantel, der gewissermaßen eine magische Aura hat, auch wenn ich nicht sagen kann, woher die Magie kommt. Sie ist einfach da. Und macht das nicht das Wesen der Magie aus, dass sie einfach da ist?
Ich bin zum ersten Mal in Berlin, in der Mutter aller deutschen Metropolen. Wahnsinnig was los hier. Blick auf die Uhr: 23.37 Uhr. Ich bin am Morgen aus Sigmaringen angekommen, wo ich lange als Küster gearbeitet habe. Dann ist mir was Blödes passiert, und jetzt, na ja, versuche ich’s als Journalist.
Club, merke ich mir zum 20. Mal, schreibt sich mit C!
Das Watergate, sagt Rapp, etwas ungeduldig sich zwischen einem englischen Ehepaar hindurch schiebend, das von uns den Weg nach sonstwohin erfragen wollte, das Watergate liegt gegenüber von Universal. Dieser Musikkonzern, kennste doch?
Ich nicke, sprachlos.
Die haben da ihre Deutschlandzentrale. Die kannste sehen, von der Tanzfläche aus, im Watergate.
Wenn ich tanze?, sage ich aufgeregt.
Wenn du tanzt, klar.
Rapp bleibt stehen, schaut mich an.
Wenn du tanzt, wiederholt er.
Mach ich dann, sage ich.
Die eine Seite des Ladens ist total verglast, sagt Rapp, und zwei Meter über dem Wasserspiegel kannst du deswegen rüber gucken zu Universal. Oder auf die Spree, natürlich.
Auf die Spree …
Das schreibe ich mir gleich mal auf. Nicht, dass ich da später noch was durcheinander werfe!
Was gibt es denn sonst noch für Flüsse in Berlin?
Rapp setzt sich wieder in Bewegung, mit einem ärgerlichen Ruck. Er holt eine Zigarette aus seinem magischen Mantel.
Guck halt bei Google nach, brummt er.
Ich bücke mich nach meinem Füllfederhalter:
Sorry, ich dachte, das wäre …
Die Spree ist der maßgebliche Fluss hier! Klar?
Auch Rapp ist wieder stehen geblieben.
Die Spree, sage ich, ja, sicher!
Was treibst du denn da?, ruft Rapp.
Mein Füller, sage ich, der läuft aus! Weil er mir hingefallen ist!
Meine ganzen Finger sind tintenverschmiert. Auch der Notizblock. Und der Füller tropft immer noch.
Ach, Scheiße, sage ich.

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