On/Off

April 29th, 2010 § 1 Kommentar

- Darf man mal fragen, was du da machst?
Sie zieht die Decke über ihren nackten Körper.
- Wieso? Ich baue die Kamera auf.
- Du baust die Kamera auf? Am Fußende des Bettes?
- Na, wie soll ich uns sonst filmen?
Ich schaue durch den Sucher. Sie schüttelt ihre vollen Haare, blinzelt. Sieht toll aus!
- Du willst uns beim Sex filmen?
- Beim Geschlechtsverkehr, genau.
Sie zieht die Decke bis zu ihrer Nase hinauf.
- Finde ich das gut?
- Ich werde natürlich keine Namen angeben, Baby. Alles streng anonym.
- Wie, Namen angeben?
- Auf Youtube. Wenn ich den Film hochlade.
- Was?
- Wenn du willst, kann ich dein Gesicht auch verwischen. Das ist kein Problem.
- Jetzt warte mal …
- Außerdem weiß ich ja nicht einmal, wie du heißt. Hast du mir deinen Namen genannt?
- Hab ich, ja. Carolin.
- Ach ja, klar. Carolin. Hast du mir gesagt. Ich werd’s auf jeden Fall für mich behalten. Versprochen!
- So? Aber …
- Mir macht’s nichts aus, ob man mich erkennt. Aber von mir wird man ja auch, ich lache, hauptsächlich den Arsch sehen, nicht wahr? Ich meine, ich lache noch mal, wenn das hier normal läuft. Ich weiß ja nicht, sage ich, jetzt ganz laut lachend, was du so vorhast!
Ich drücke den On-Knopf.
- Hör mal zu, Bob. Ich finde das keine gute Idee!
Sie setzt sich auf, die Decke um ihren schlanken Körper wickelnd. Ich mag Blondinen. Mit Blondinen bekommt man immer noch die meisten Clicks. Irgendwie überrascht es die Leute nicht, wenn Dunkelhaarige sich beim Bumsen filmen lassen. Auf Blondinen hingegen wendet man unbewusst offenbar so etwas wie ein sexuelles Reinheitsgebot an. Dann ist die Überraschung groß, wenn sie die Allerschamlosesten sind!
- Ich glaube, sagt Carolin, Höschen und BH aufklaubend, ich gehe mal besser.
- Warte mal! Hey! Wieso? Ich bin doch fertig!
- Ich dachte, du wärst ein netter Typ!
- Aber das bin ich doch.
- Du bist ein perverses, krankes Arschloch.
- Aber auch ein netter Typ. Wirklich!
Sie zieht ihren Rock an.
- Dass ich mich so täuschen konnte …
- Wenn du willst, kann ich auch den Ton ausstellen. Dann hinterlege ich das einfach mit ein paar Songs, weißt du, was Rockiges, Lautes …
- Es ist gut! Du kannst dir jedes weitere Wort sparen!
Sie schlüpft in ihre Bluse.
Ich stehe da, nackt, mitten in diesem fremden Zimmer, ein Stundenhotel, karg, ohnehin glanzlos und jetzt auch noch sinnlos. Die ganze Absurdität meines Daseins donnert auf mich herab, von ganz weit oben. Ich setze mich auf den Rand des Bettes, mir eine Zigarette vom Nachttischchen greifend. Der Teppich ist alt und abgetreten und farblos. Hinter dem Vorhang etwas Sonne, ein heller Frühlingstag.
Ich bin todtraurig, zutiefst enttäuscht.
Ich habe kein Feuerzeug.
Ich frage sie:
- Kannst du dich trotzdem am Zimmer beteiligen?

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