Von Meisterhand

April 20th, 2010 § 1 Kommentar

Meisterhand, ist das nicht das Gegenteil von Geisterhand? Letztere schafft blind, jene hingegen sehr bewusst? In der strahlenden Helle des Bewusstseins ihrer Könnerschaft?
Glaub ich nicht.
Wahrscheinlich ist die Meisterhand eine, die Übung darin hat, sich dem Geisterhaften, Geisterhändigen anzuvertrauen. Die nicht mäkelnd dazwischen tritt. Die machen lässt, um dann aufzugreifen, abzugreifen, wegzuwerfen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wie soll man lesen?

April 20th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

In einer etwas perversen Laune, scheint mir. Übermütig, weltmüde, normalitätskrank. Als Anarchist, der auf der Suche ist nach Sprengstoff.

Literatur verstand ich immer als Ort genuiner Andersartigkeit — in der Literatur konventionell zu sein, müsste per se bestraft werden. Beispiel: Nabokovs Schach spielende, Nymphen beschnuppernde Exzentriker, immer ein Schmetterlingsnetz in der Tasche, wenn sie in den falschen Zug steigen. Oder Philip Roths aus einem Schuhgeschäft stammende jüdische Helden mit dem Willen zum Roman über Emmanuel Bovary. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Von der Wiege bis zur Ware

April 19th, 2010 § 12 Kommentare

Ich muss leider gestehen, dass ich an der Literatur inzwischen mehr oder weniger verzweifelt bin. Dies ist weniger der Literatur anzulasten als gewissen hartnäckigen Illusionen, die ich über ihre soziale Funktion habe: Ich wollte in ihr seit jeher partout ein Medium der Revolution sehen. In persönlicher Hinsicht war sie das für mich durchaus auch; sie hat mir über viele dunkle und manche grauenvolle Stunde hinweg geholfen und viele Türen im Kopf geöffnet, und daher habe ich keinen Grund, mich zu beklagen, zumal ich inzwischen das Ziel erreicht habe, mit einer ISBN versehen worden zu sein.

Aber indem eine gewisse Art von Frustration sich aufgelöst hat – die nämlich, dass man ums Verrecken von keinem Verlag gedruckt wird –, tritt mit neuer Klarheit und Schärfe eine andere in den Vordergrund, eine, wenn ich so sagen darf, gesunde und natürliche Frustration. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Drink Tank

April 17th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Schon deprimierend, denke ich, während unten der Feierabendverkehr in einer grandios verstopften Metropole sich geräuschvoll staut. Deprimierend, dass man mich mit einem Zerrbild von mir verwechseln kann, das ich entworfen habe, um mich lustig zu machen über die perversen Möglichkeiten eines Lebens, das seinen mäandernden Lauf nimmt. Designerbrille? Dabei trage ich nicht mal eine Brille … meine Augen waren immer schon hervorragend. Meine gesamte Familie ist fast blind, gehörte eigentlich mit Blindenstöcken ausgerüstet, nur ich, ich habe Augen wie ein Adler. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Tim

April 16th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Körperlich am Ende. Ich brauche mir nichts vorzumachen, das ist mein Privileg. 62 Jahre Raubbau am Ich, ich habe wohl länger durchgehalten, als viele dachten. Jetzt sehe ich hinaus auf ein rotz- oder kotzgrünes Meer, und mir wird schlecht von dem Schlingern und Spritzen, von dem Auf und Ab der Wogen, von der blinden, stumpfsinnigen Unendlichkeit. So war mein Leben auch, denke ich.
Ich schlendere über den harten, kühlen Sand. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Stand-by Shooting

April 16th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Meine Freundin steht voll auf diesen Typen. Blond, muskulös, groß. Sie redet von nichts anderem mehr. Immer so in Anführungszeichen, im Modus der Ironie. Freilich. Aber ich bin ja nicht blöd. Ich weiß doch, was die Stunde geschlagen hat! Ich hab auf Youtube die Mäuse gesehen, wie sie ihre Dinger auf und ab hopsen lassen, sobald De fofftig Penns auf die Bühne stürmen. Der Plietsche Torbän. So nennt er sich. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Auf der Parker-Skala

April 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir werden die mit aller gebotenen Strenge des Gesetzes verfolgen, sagt mein Verleger. Denen legen wir das kriminelle Handwerk!
Ein sonst freundlicher Mann, hier zittert seine Stimme. Auch das Zusammenstoppeln der Phrasen verrät, dass ihm strafrechtliche Dinge nicht willkommen sind.
Irgendjemand vertreibt über amazon.de von Bremen aus ein gebrauchtes Exemplar der „Hohlkörper“. Zum Preis eines fabrikneuen!
Da hauen wir dazwischen, schreit mein Verleger.
Ich seufzte. Ich sinke tiefer in den Sessel.
Lohnt sich das denn, sagt meine Frau aus der Küche.
Mein Verleger rollt wild mit den Augen.
Was? Ob sich das … « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Generation +50

April 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine hübsche junge Frau, ein guter Wein, ein milder Abend, die Brise fächelt über den Balkon herein … dazu noch stimmungsvolle Musik …
So soll das Leben sein, nicht?
Irgendwann sagt Lynn, ihre Beine entkreuzend:
Mein Gott, was ist das nur für Musik?
Ich springe auf. Als hätte ich bemerkt, dass ich seit einiger Zeit schon auf einer Tarantel gesessen habe.
Gefällt es dir nicht? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Mörder meiner Jugend

April 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Dass ich mein ganzes Leben in Anführungszeichen gesetzt hätte, erklärt mir M., beinahe aufgebracht in seinem Sessel. Dass ich so viel Zeit vergeudet hätte mit Witzen, mit Ausweichmanövern, mit belanglosen Stimmimitationen. Immer hätte ich eine Maske getragen, ruft M., und ich frage mich, warum er mich so in die Mangel nimmt.
M. nimmt die Brille ab, reibt sich das Auge. Er sei krank, hat er mir vorhin gesagt, das aber nicht näher erläutert. Jeden Vorstoß zu diesem Thema blockt er ab.
Er will über mich reden, über meine Verfehlungen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

No-name-Artikel

April 14th, 2010 § 1 Kommentar

Die Wahrheit ist, dass kaum einer mal was liest. Schon Gombrowicz machte sich darüber lustig, dass andauernd alle so täten, als hätten sie alles gelesen, und Ihr Gedicht neulich, in Ihrem Blog, ja, das war … toll! Und in Wahrheit blättert man mal hier rein, mal da rein, überfliegt dieses und jenes, und dann klappt man schnell den Laptop zu und macht eine wichtige Miene. Man bewegt den Kopf bedenkenvoll hin und her und sagt: „Ja, da ist viel Gutes dran, sicher, aber wir müssten doch noch mal …“

Neulich bekam ich vom Herausgeber eine Zeitschrift, die sich die kritische Untersuchung des Zeitgeistes auf die Druckfahnen geschrieben hat, eine böse Erwiderung auf meinen Roman „Hohlkörper“. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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