Aus den Aufzeichnungen eines arte-Regisseurs (#3)
Mai 3rd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Endlich wieder ein Auftrag! Sonja sagt zwar beim Frühstück, sie habe immer an mich geglaubt, aber, na ja, kann ich ihr das glauben? Wenn sie so fest an mich geglaubt hat, wieso hat sie dann monatelang mit diesem Hans Hansen herumgemacht, diesem blonden Superhelden-Darsteller mit der dümmlichen Visage? Tja, auf die Frage hatte sie leider auch keine kluge Antwort. Herumgedruckst hat sie, und sich dann im Badezimmer eingeschlossen!
Ich sagte: “Heul doch nicht rum! Das mit der dümmlichen Visage nehm ich ja zurück!”
Sie sagte: “Verpiss dich! Du bist ein Arschloch!”
Ich soll diesmal allerdings keinen Film, sondern ein Stück inszenieren. “Malthe”, von einem Autor namens Karl Daniel. Am Stadttheater Peine.
“Karl Daniel”, sag ich zu Robert-Louis von Kraßkow, dem Produzenten, “nie gehört. Und ich kenn doch sonst fast alle.”
“Ach?”, sagt RLvK mit schlauem Grinsen und schüttet sich eine stattliche Dosis von etwas Hochprozentigem in seine Kaffeetasse. “Kennst du auch Jeff Brenton?”
“Den Superhelden-Darsteller?”
“Ja.”
“Den kenn ich, klar, logisch. Logen kenn ich den!”
RLvK zwinkert mir, zugegeben: nicht besonders angenehm, zu: “Weil er Sonja fickt, was?”
“Was?”
Okay, das gehört nicht hierher. Sonja ist mir ein Rätsel, wie sie da im Bad hockt und vor sich hin wimmert, nur weil ich ihren Stecher beleidigt habe. Gleiches gilt für das Stück “Malthe”. Ich werde ums Verrecken nicht schlau daraus! Da ist ein zögerlicher, zaudernder, verzweifelter, zweifelnder junger Mann, der immer in Schwarz herumläuft. Das ist der Held der Story (wenn man bei so einer Pfeife von “Held” und bei so einem dünnen Plot von “Story” sprechen darf). Malthe reist, aus Südamerika kommend, zum Begräbnis seines Vaters an, im Rolls-Royce. (Alle hochwohlgeboren!) Er steht am Grab, und Regen prasselt ihm auf den schwarzen Hut. Das ist eine starke Szene, finde ich, trotz der insgesamt ziemlich ins Auge springenden Blödheit der ganzen Sache, und ich hab die Bilder alle schon im Kopf. Die Frage ist nur noch, wie ich den Regen auf die Bühne bekomme … im Film wär das einfacher! Egal. Malthes Vater ist eine Legende des Pressewesens, hat eine Zeitschrift gegründet, und die hat Geschichte geschrieben. So ein Magazin. Jetzt ist er gestorben, während eines Mittagsschläfchens.
Malthe riecht den Braten, wie man so sagt, denn wirklich ging bei diesem Ableben nicht alles mit rechten Dingen zu … Wie auch immer, seine Mutter hat sich, muss er feststellen, unterdessen mit seiner Tante Claudine getröstet. Ein scharfes Luder, diese Claudine! Ich hatte gleich ein ganzes Rudel von Besetzungsvorschlägen im Kopf. Überhaupt hatte ich das Ding direkt nach dem ersten Lesen für mich durchinszeniert. Einfach, um nicht aus der Übung zu kommen!
Problematisch war für mich nur diese eine Szene, da der Geist von Malthes Vater auftritt. Das ist mir einfach zu mittelalterlich! Und dann der Name dieser Zeitschrift, “Tolobom”. Da werden wir noch mal ran müssen. Mit diesem Namen kann ich mich nicht abfinden, der ist zu … ich weiß nicht. Er ist es halt nicht.