Aus den Aufzeichnungen eines arte-Regisseurs (#4)

Mai 6th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Amerikanische kann sehr viel mehr als Subjekt-Prädikat-Objekt nicht leisten; daher die Tendenz der Amerikaner zum Faktischen, zum So-ist-es, zum nackt Berichtenden. Wenn sie träumen wollen, brauchen sie Bilder. Für unsere Autoren mit ihrem ganz gegenteiligen Sprach- und Weltempfinden schafft die Dominanz der amerikanischen Literatur aus diesem Grunde eine Menge Probleme. Unsere elastische Syntax sehnt sich nach Flexibilität, nach weit schwingenden Perioden … Andererseits prädestiniert seine Bündigkeit das Amerikanische auch zur Sprache der Werbung; in dieser Sprache wird nämlich alles zur Feststellung!
Okay, sage ich, das mag ja alles sein, Pedro. Aber würdest du mir jetzt das Drehbuch zeigen, bitte?
Ich, sagt der Spanier und schluckt, arbeite daran!
Ich bin fassungslos, wie vor den Kopf geschlagen. Ich sage:
Seit 16 Jahren lebst du nun schon in Berlin, und immer noch ist dieses beknackte Drehbuch nicht fertig? Aber es soll doch nur ein Kurzfilm werden!
Der Spanier schüttet hektisch die Neige des Weins in seinen Mund. Sein Blick weicht zur Seite aus.
Diese verdammte Grammatik!, stöhnt er. Sie raubt mich noch den letzten Nerv!

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