Aus den Aufzeichnungen eines arte-Regisseurs (#5)

Mai 10th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Man macht ja schon einiges mit. Okay. Darum ist man immerhin Mensch geworden, damit man einiges mitmachen kann. Aber das? Das ging dann selbst mir zu weit! Dieser Typ flößte mir Angst ein! Wer hat den denn auf die Menschheit los gelassen, sag mal?, dachte ich und zog mich auf mein Hotelzimmer zurück. Ich nahm mir einen Wodka aus der Minibar und versuchte erst mal wieder runter zu kommen. Ich ließ die Rollos runter rasseln, weil ich den Anblick der Berge jetzt nicht ertrug. Auch Berge sind so monumental und monoman. Brutal, sozusagen. Mein Herz hämmerte mir durch die Kehle. Der Kerl war wie ein Räumkommando, das einfach in deine Wohnung einbrach und dich samt Bett raus trug!

Dabei hatte alles ganz harmlos und eigentlich sogar harmonisch angefangen. Teddy Brauner rief mich an, und ich frohlockte schon, als ich seine Nummer auf meinem Display sah. Immer wenn Teddy anruft, klingelt nämlich die Kasse. Meist darf ich Primetime-Filmchen für das ZDF drehen, mit Kreuzfahrtschiffen und gutgelaunten Urlaubern im besten 50-Plusser-Alter, die mich für einen wichtigen Mann, für einen wahren Künstler halten. Spitzenmäßige Aufträge sind das! Den ganzen Tag unter Palmen sitzen, ab und an einen Kamelritt nach Abu Simbel unternehmen, die Füße immer in Eiswasser, gegen einen möglichen Hitzschlag. Herz, was begehrst du mehr?

Nee, sagte Teddy diesmal, diesmal gehe es um einen Werbefilm. Leider. Ich sagte: Na, für Werbefilme gibt’s natürlich auch keinen Besseren als mich! Teddy ließ sein heiseres, irres Lachen hören und sagte, so gefiele ich ihm! Welches Produkt denn überhaupt, fragte ich? Was bewerben wir denn da mit diesem Spot?

Ja, Skier, sagte Teddy. Der Dreh finde deshalb auch in den Bergen statt.
Super, sagte ich, Berge, eh mein Ding. Ewigkeitsgedanken in Stein.
Dann sei ja alles klar, beendete Teddy die Konversation.

Von wegen, alles klar! Als ich diesen Werbetexter schon sah, rutschte mir das Herz in die Hose! Der würde mir jetzt einige Tage nicht von der Seite weichen? Das war kein besonders angenehmer Gedanke! Ich erkannte sofort an seinem Blick, dass er auf der Suche nach einem Opfer war. Nach einem Opfer für seine ungebremste Egomanie, die er in seiner Branche als Begeisterungsfähigkeit ausgab. Ich schob schnell ein paar Beraterinnen zwischen ihn und mich, um ihn mir vom Halse zu schaffen, aber zu spät – er hatte längst Blut gerochen. Mein Blut.

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