Trash
Mai 10th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Pratt und Whitney wussten, wie man Druck macht. „Wenn du die Welt erobern willst, darfst du nicht zimperlich sein.“ Das war ihr Credo. Die Zwillinge sahen sich mit ihren runden Bäuchen und runden Nasen und runden Gesichtern geradezu lächerlich ähnlich. Leicht gelblich schimmerte ihre Haut. Irreal.
In ihren Uniformen hatten sie etwas ausgesprochen Einschüchterndes. Sie wirkten wie ein Scherz, der so subtil war, dass niemand je die Pointe kapieren konnte.
Dann teilte ihnen ihre Firma mit, dass sie nicht länger benötigt würden. In Zukunft werde man auf Technologie setzen. Überwachungskameras. Die Zeit der Wachmänner aus Fleisch und Blut sei vorbei.
Pratt sagte: „Was die Menschen sich gegenseitig antun, ist nicht so ganz ohne.“
Und Whitney ergänzte: „Global gesehen.“
Beide hatten ursprünglich Astronauten werden wollen, hieß es. In Wahrheit war es Whitney, der unbedingt in den Weltraum wollte. Pratt, als guter Zwilling, fühlte sich verpflichtet, mitzuziehen. Die Sterne, dachte er. Warum nicht.
Lieber wäre Pratt allerdings Football-Profi geworden.
„Hat nicht sollen sein“, sagte Pratt, achselzuckend.
„Ebenso wie das Raumfahrerding“, ergänzte Whitney, seinerseits achselzuckend.
Sie tranken beide Whiskey, nebeneinander auf der Couch, vor dem Fernseher. Sie tranken aus niedrigen, breiten, wuchtigen Gläsern. Langzeitarbeitslose. Hinter ihnen, an Haken an der Wand, hingen ihre Gürtel. Die Gesellschaft hatte sie aufgegeben.
Sie wirkten sehr friedlich. Bläuliche Schatten zuckten über das Gelb ihrer Gesichter.
„Ich hab nie so recht daran geglaubt, dass das was werden könnte, das mit dem Leben“, sagt Pratt später, als es draußen schon dunkel geworden ist. Auch die zweite Whiskeyflasche geht zur Neige. „Ich meine, wenn man gewissermaßen doppelt lebt, da hat man viele Illusionen erst gar nicht.“
„Es war allerdings schon ein Traumjob“, gibt Whitney melancholisch zu bedenken. „Auf Menschen aufpassen. Verbrechen verhindern.“
Pratt nickt trübe:
„Ja, man fühlte sich nützlich.“