Sonntag, der 13.
Juni 13th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Der Typ trug eine Eishockeymaske, und in der Hand hatte er eines unserer ziemlich scharfen, ziemlich langen Küchenmesser. Vor wenigen Stunden hatte ich damit noch Tomaten für eine asiatische Suppe gewürfelt, darum wusste ich um die Leistungsfähigkeit dieses insgesamt primitiven, aber vorbildlichen Werkzeugs. Das Messer musste er aus dem Messerblock gezogen haben. Er war etwa zwei Meter groß, und er stank gewaltig. Er stank wie eine Wasserleiche, die mehrere Tage im verschlammten Seitenarm des Mississippi gelegen hat … für alle, die nie eine Wasserleiche erlebt haben, die man nach mehreren Tagen aus einem Seitenarm des Mississippi gezogen hat: Er stank fürchterlich, dieser Hüne, er stank mehrere Kilometer gegen den Wind! Ich hätte am liebsten gekotzt, riss mich jedoch am Riemen.
Er stand da, reglos. Wie lange mochte er da schon so stehen? Nur weil die Waschmaschine so ein rumpelndes Spektakel aufführte und die Vuvuzelas einem den letzten Nerv raubten, musste mir entgangen sein, wie er durch den Flur marschiert war und da Aufstellung genommen hatte. Ich lächelte. Ich musste mächtig pissen. Ich sagte: “Hey, ich hab Sie gar nicht durch den Flur marschieren gehört! Sie sind ja ein Brocken! Wie geht’s?”
Keine Reaktion. Jetzt frage ich Sie: Haben Sie je erlebt, wie ein affenartig stinkender Zwei-Meter-Riese mit einem Küchenmesser in der rechten Faust in Ihrem Flur keine Reaktion zeigt, wenn Sie ihn locker auf sein Befinden ansprechen? Ich hatte, offen gestanden, mit so einer Situation überhaupt keine Erfahrung, und entsprechend aus dem Konzept war ich auch! Ich fand es fast ein bisschen … befremdlich! Wenn ich nicht solchen brutalen Harndrang verspürt hätte, ich wäre sofort zurück ins Wohnzimmer gelaufen! So aber klemmte ich mir ein Grinsen zwischen die Mundwinkel und sagte: “Ich muss schnell strullern, dann können wir uns weiter unterhalten, okay? Nehmen Sie doch vielleicht so lange im Wohnzimmer Platz. Da stehen auch Nüsschen. Ghana spielt gerade gegen Serbien.”
Die letzten Wörter gingen schon im Gepladder meines Urins unter. Ich hatte nicht nur mehrere (ca. 12) Bier gezischt, sondern auch einen ganzen Kochtopf voller asiatischer Suppe gegessen und dazu Wasser getrunken, weil der Fraß so scharf war. Mir ging’s gar nicht gut. Sehr viel besser ging es mir fünf Minuten später, als das Meiste raus war aus meinem Bauch. Ich leerte noch in Ruhe meine Blase, und nach insgesamt knapp acht Minuten tauchte ich wieder aus dem Klo auf.
Der Typ stand immer noch im Flur.
“Sie interessieren sich wohl nicht für Fußball?”, lachte ich.