Artigas

Juni 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Wahrheit ist, denkt Artigas, sitzend und schauend, seine fremdsprachige Zeitung aus der Hand lassend, dass auch diese deutschen Mädels Leben in sich haben, trotz aller Automatisierung ihres Gebarens. Wie gern würfen sie diese Last von sich, die ihre Mütter auf sie senkten! Man sieht ihnen an, noch an diesem stillen, ruhigen Ort, die grauenhafte, unerbittliche Verpflichtung des Lebens. Atmen, schreit ihr Lachen, welch ein Krampf! Tränen, welch eine Verschwendung! Küsse, was, wenn nicht ein Missverständnis? Die Schlachtfelder werden bereitet genau von dieser Ungewissheit, von diesem Zweifel, ob es sein könne, dass man in die Hölle geschickt wird, weil man Leid zufügte. Und als suchte man die Entscheidung, drängt man sich konvulsivisch in die schwerste, die tiefste Sünde: in den Mord, in Totschlag und Vernichtung des Gleichartigen! Als wäre die Auslöschung des Bruders weniger schwerwiegend als das Zerstampfen einer Ameise! Seltsamer Himmel, der diese Gesetze schuf!

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