Schiller im Supermarkt

Juli 2nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich wollte ein Gedicht schreiben
über die Klangfülle des Gemeinen im Orkus
alltäglicher Wahrnehmung.
Idealismus und Blankvers.

Als ich mit einem Paar auf der Straße,
ältere Menschen, im Gespräch,
beinahe kollidierte, sagte er zu mir,
warum Leute wie ich immer innen vorbei

wollten, normale Leute gingen doch außen vorbei,
normale Leute, ja. Anders hielten es
nur Leute wie ich. Auf der Straße sprach er’s.
Ich verstünde schon, wie er es meine.

Seine Frau sagte gar nichts, als sei das
alles ganz normal. Es sind alles Universen,
die Frau an der Kasse, der Typ mit der harzigen Nase,
der sich drei Flaschen Chianti und eine Packung

Billigzigaretten kauft. Oder der Kerl mit den Keksen.
Wer weiß, was er träumt, wenn man ihn lässt?
Hegel hat sich geirrt. Ein großer Irrtum, vielleicht,
aber auch abscheulich. Kannte er denn die Welt nicht?

Nur seine Folianten? Das Kratzen der Feder?
Hat er nie mit irgendjemandem geredet?
Da hätte ihm der Weltgeist ganz schön was gepfiffen!
Alles Mikrokosmoi heißlaufender Normalität.

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