„Hohlkörper“ in Kevelaer

Juli 7th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Hand aufs Herz: Lesen ist kein Spaß. Heute, im Zeitalter von Youtube und HDTV, ist es lästiger denn je. Entsprechend kontrovers gestaltete sich die Aufnahme der „Hohlkörper“. Das Extremspektrum reicht bislang vom Hymnus (den der Autor nicht recht nachvollziehen konnte) bis zum hämischen Verriss (über den er sich wahnsinnig aufregte). Die Wahrheit aber scheint mir zu sein: Man kann das Buch schlicht nicht kapieren, wenn man den Autor nicht erlebt hat! Denn was dieser schreibt, ist eben nicht „pseudointellektuelle Pose“, sondern absolut authentisch – erlebte Rede. Der Autor ist sich ziemlich sicher, nur sehr wenig Extrapseudointellektualität auf seinem Lebenswege getroffen zu haben (wie man von „extraterrestrischem Leben“ spricht). Das Meiste war Fake, Bluff – halt Hohlkörperei.
Wenn dann eine Rezensentin schreibt, die „Hohlkörper“ seien leider buchstäblich hohl, dann frage ich mich doch, was sie erwartet hat? Ein Happy End? „Klar, alle sind strohdumm, korrupt und innerlich nach den Maßgaben des Prime-Time-TVs modelliert – aber trotzdem ist alles am Ende poetisch, pfiffig und nett“?
Nein, nein, so einfach ist Erlösung nicht zu haben – die einzige positive Utopie, die „Hohlkörper“, dieser Marsch durchs Inferno, zu bieten hat, ist die Tatsache seines Geschriebenseins. Denn solange einer es ernst meint mit dem Schreiben, ist es nicht nur egal, was dabei herauskommt – es besteht auch noch Grund zur Hoffnung.
Das ist wenigstens meine Meinung.
Daher meine Einladung: Kommen Sie am 18. September nach Kevelaer, in die Buchhandlung Reul, mit der Meinolf Reul das Werk von Adrienne Monnier und Sylvia Beach beherzt fortsetzt. Dann wird Ihnen nicht nur „Hohlkörper“ gelesen, sondern auch die Leviten!

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