Behauptet
Juli 22nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Du hast doch mal gesagt, Blogo, dass es zwei Arten von Menschen gäbe – die Behaupter und die Anzweifler?
- Das hab ich nicht gesagt, murrte der Blogozentriker. Er war übler Laune. Man könnte auch sagen: Er hatte üble Laune. Ihm war alles zu viel, die Dinge wuchsen ihm über den Kopf, selbst die Dinge, die nicht da waren. Auch die arge Hitze setzte ihm zu.
- Bitte? Ungläubig ließ ich die Augenbrauen auf und ab tanzen. Du hättest mir nicht gesagt, dass es dich verrückt macht, wenn überall lauter Wahrheiten, Weisheiten und Gewissheiten herausposaunt werden? Von jedem Bildschirm, von jeder Mauer?
Der Blogozentriker blieb stehen.
- Ach, das, sagte er. Ja.
- Und du hast mir damals auch gesagt, dass für dich die Lebenskunst darin bestünde, die granitenen Behauptungen zum Zerfließen zu bringen, das Skelett all dieser Gruselerscheinungen herauszuschälen, der Struktur der Dinge auf den Grund zu gehen.
- Das könnte von mir stammen, hm.
- Und jetzt, sagte ich streng, jetzt erklär mir doch mal, wo genau der Unterschied zwischen dieser Methode und einem methodisch angewandten Zweifeln liegt?
- Nein, nein. Der Blogozentriker nahm seinen Gang wieder auf. Er schüttelte den Kopf. Er sprach zu sich selbst mehr als zu mir. Nein, wiederholte er mürrisch, aber die Dichotomie von „Behauptern“ und „Zweiflern“, die trifft’s nicht ganz. Vielleicht, und er hüpfte bei diesem Wort auf eine Mauer und setzte sich dort hin, vielleicht wäre es richtiger, wenn wir sagten, es gebe einerseits die Dinge – kompakt, opak und fest –, und auf der anderen Seite die Menschen – weich, durchscheinend, löslich, offen, unbeständig. Wandelbar.
- Formlos?
Ich lehnte mich neben dem Blogozentriker an die Mauer.