De Sade als Herbergsvater

Juli 23rd, 2010 § 1 Kommentar

Eine friedlich gedachte Ferienfreizeit auf Ameland wurde für ein Rudel von Frühpubertierenden zu einem Aufenthalt in der Hölle. Fremdkörpereinführung in der großen Runde, Fisting total, Erniedrigung, Verzweiflung, Wunden an Leib und Seele – das ist der Stoff, aus dem offenbar nicht nur die katholische Kirche gemacht ist. Die Republik ist auf „Spiegel Online“ geschockt, das Grauen aus dem gastlichen Haus „De Zilvermeeuw“ lähmt die Gutdenkenden, wenn sie auch schon ein paar Erklärungen parat haben (Pornokonsum per Internet) und Hoffnung eh immer: Noch scheinen die Täter rehabilitierbar, sie sind ja noch jung.

Mit diesen Allgemeinplatzhaltern will „die anspruchsvollste Redaktion der Republik“ („der blogozentriker“ über „der blogozentriker“) sich natürlich nicht zufrieden geben. Wir wollen Ursachenforschung betreiben, den Dingen auf den Grund gehen. Okay, dann machen wir das doch einfach mal: Fragen wir einen Experten. Schnell mal „Sadismus“ und „geistig-emotionale Unreife“ gegooglet – und schon haben wir einen kompetenten Ansprechpartner bei der Hand.

Massenhafter sexueller Missbrauch Gleichaltriger, rituelle Gruppendemütigungsrituale – „das hat’s immer gegeben, und das wird’s immer geben“, erklärt uns Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des deutschen Bundestages. „Der Mensch ist nun mal eine Bestie. Was erwarten Sie?“
Auch in Afghanistan, wo die deutschen Truppen mit „teilweise skandalös schlechter Ausrüstung“ auskommen müssten, sei „die Stimmung wie in einem Irrenhaus, das man zu einem Puff umfunktioniert hat“. Hier spielten sich intern dramatische Szenen ab: „Dagegen kommt Ihnen dann das Haus ‚Silbermöwe’ auf Ameland wirklich wie ein Ferienparadies vor“. Gab Königshaus sich bis dato gefasst, bricht es jetzt aus ihm heraus: Die Kleinen sollten „sich mal nicht so haben“; später warte „Grauen in absoluter Extremform“ auf sie, da seien solche de Sade’schen Exzesse „doch die ideale Einstimmung und Vorbereitung“.

Als Königshaus in Tränen ausbricht und mehrfach und deutlich vernehmbar „Mama“ und „Holt mich hier raus!“ ruft, wendet sich Teddy A. Wiesengrund, der alte Mitstreiter, den wir extra für diese antihumane Sause reaktiviert haben, seinen Redaktionskollegen zu. Der Notizblock in seinen Händen ist nass vom Handschweiß. Er schluckt. Dann sagt er: „Jetzt blenden wir aber mal ab, was?“

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