Redaktionsstatut
Juli 26th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Was haben wir?
- 19 Tote bei der Love-Parade – eine Tragödie, ein Desaster, eine unerklärliche Katastrophe.
- Schön. Aber nichts für den Blogozentriker.
Wir alle schauen unseren Chef fassungslos an.
- Aber pass mal auf, ruft einer, da gab’s in der U-Bahn, auf so einem Screen, eine Meldung, da hieß es, die „Massenpanik“ habe zu einer „Massenpanik“ geführt!
- Schöner kann man es doch nicht sagen.
- 19 Tote, wiederholt jemand.
- Klar, brummt der Chef. Er winkt mit dem Redaktionsstatut ab. Aber das machen jetzt alle, das Thema. Wir wollen doch immer die abseitigen Themenfelder beackern.
- Aber da gab’s gravierende Sicherheitsmängel, in Duisburg!
- Diese Rave-Party hätte nie stattfinden dürfen, keift unser Redaktionssatiriker. Ich hab schon 40 Seiten geschrieben, in denen ich erbarmungslos und haarklein …
Unser Chef schüttelt den Kopf.
- Ich seh es nicht, sagt er. Was gibt’s sonst?
Bernd, unser Literaturmann, meldet sich zu Wort.
- Ich hab wahnsinnig viele Fehler in dem Roman „Juja“ entdeckt, murrt er.
- „Juja“? Was ist das?
- Ein Debütroman, erläutert Bernd. Von Nino Haratschwili.
- Was ist das für ein Typ?
- Das ist eine Frau. Die sonst fürs Theater schreibt.
- Stücke?
- Ja.
- Und in deren Debütroman gibt’s viele Druckfehler, ja?
- Ja.
Der Chef nickt zufrieden:
- Schreib da mal was drüber.