Wie man Romancier wird
Juli 11th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Herr Macha? Bob Macha?“
„Ja“, knurrt dieser Typ, der vor etwa acht Jahren eine Überdosis Gombrowicz abbekommen hat und sich seitdem für einen Zynisch-Weltfesten, wo nicht Weltweisen, hält, in den Hörer seines oldfashioned Telefons.
„Würden Sie uns erlauben, einen Roman von Ihnen zu veröffentlichen?“
Bob stutzt kurz. Er glaubt, Georg am anderen Ende des Telefons erkannt zu haben, der ihm einen Streich spielt; andererseits liegt Georg nebenan, im Bett, wo sie eine heiße Nacht zusammen verbracht haben. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ist das noch Deutschland?
Juli 11th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Statt Kettenhemden Traumpässe, statt Stürmer-Bomben aus der zweiten Reihe ein Bomben-Sturm im Fokus der Weltöffentlichkeit. Konsequente Konsequenz: Rekordeinschaltquote und Begeisterung auf den Straßen für eine beherzt aufspielende deutsche Nationalmannschaft – leider spielte sie dann doch nur die zweite Geige. Für die erste hat’s noch nicht gereicht. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Entnervt vom Zeitgeist
Juli 8th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Entschuldige, du trinkst BIER?“
Vor wenigen Monaten noch war man automatisch Kult, wenn man Bier trank, bis man Blut kotzte. Und heute? Wird man angeguckt wie ein Kinderschänder, nur weil man sich das achte Pils aufploppt.
Aber so sind sie, die Zeiten. Veränderlich.
Ein Beispiel. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
„Hohlkörper“ in Kevelaer
Juli 7th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Hand aufs Herz: Lesen ist kein Spaß. Heute, im Zeitalter von Youtube und HDTV, ist es lästiger denn je. Entsprechend kontrovers gestaltete sich die Aufnahme der „Hohlkörper“. Das Extremspektrum reicht bislang vom Hymnus (den der Autor nicht recht nachvollziehen konnte) bis zum hämischen Verriss (über den er sich wahnsinnig aufregte). Die Wahrheit aber scheint mir zu sein: Man kann das Buch schlicht nicht kapieren, wenn man den Autor nicht erlebt hat! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Motto
Juli 6th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Was soll man nur tun, wenn man ein Hirn hat wie meines? Na ja, man dreht zu Hause in der kleinen Küche den Gashahn auf, und alles fliegt in die Luft. Buff! Nun bin ich aber nicht gescheit und öffne deshalb keinen Gashahn, weder in der kleinen Küche noch sonst wo. Zuunterst in meiner närrischen Seele hege ich nämlich einen winzig kleinen hochmütigen Gedanken:
Vielleicht wird sich einmal – irgendwann einmal – etwas Helles, Schönes aus all dem Elend schürfen. Wie eine kleine, winzig kleine Perle aus einer großen, verflixten Muschelschale.
Und falls nun einmal etwas Schönes von mir kommen kann, dann habe ich meine Aufgabe im Leben erfüllt – und ich kann guten Gewissens in einem mir gegrabenen Grab schlafen. Das wird schön sein. Wunderschön. Zuerst muss man aber arbeiten. An sich selbst arbeiten, meine ich. Für wen arbeite ich denn dann aber pausenlos? Ja, eben, das ist in Wahrheit des Pudels Kern.“
(Ingmar Bergman, „Im Bleistift-Ton“, übersetzt von Renate Bleibtreu)
Matthias’ Reim
Juli 4th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Der Sturz, der der Reimkunst das Rückgrat brach,
War der Sturz vom Gefühl in die Theorie.
Braucht, was wir fühlen, Einklang und Zuspruch,
Um lebendig sich zu erhalten im Gestürm der Tage, « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Tore fürs Township
Juli 4th, 2010 § 3 Kommentare
Und noch ein Schwenk vom Schweini,
Noch ein Gaucho grätscht ins Leere,
Grillfleisch nur noch für die deutsche Wut,
Träg gemacht vom Hochmut sichern Sieges.
Wir, gereckt die Fäuste und das Bier,
Patrioten im Hurra, der Welt in Schwarz-rot-gelb « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Investitionen zahlen sich aus
Juli 2nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Er freute sich, als er doch noch einen Wagen vorfahren sah unter dem flackernden Neonschild. Er hatte damit gerechnet, dass sie auch heute ohne Gäste bleiben würden, wie an den allermeisten Abenden. Dann jedoch verfinsterten sich seine Gesichtszüge. Eine hübsche junge Frau stieg aus! Ausgerechnet, dachte er, wo er doch gerade das Bad von Zimmer 6 von Grund auf gereinigt hatte – den Ausfluss gescheuert, die Fliesen poliert, die Fugen zum Glänzen gebracht. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Schiller im Supermarkt
Juli 2nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich wollte ein Gedicht schreiben
über die Klangfülle des Gemeinen im Orkus
alltäglicher Wahrnehmung.
Idealismus und Blankvers.
Als ich mit einem Paar auf der Straße,
ältere Menschen, im Gespräch, « Den Rest dieses Eintrags lesen »
In einem Café
Juli 1st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Ach, der Wulff … ich weiß ja nicht. Ist das nicht traurig, dass der jetzt unser Präsident ist?“
Didi schaut ganz seltsam, als er das sagt. Sonst schlingt er einfach zufrieden seinen Kuchen hinunter. Heute aber verspürt er Redebedarf. Vielleicht liegt das an der Bullenhitze? Darauf muss ich natürlich reagieren, ob ich will oder nicht.
„Warum? Was ist denn am Wulff anders als am Köhler?“
„Der Köhler?“ Didi blinzelt erregt. „Der hatte noch Klasse! Wulff dagegen ist gesichtslos. Anonym. Plastik.“
Didi fällt ein Stück Kuchen aus dem Mund. « Den Rest dieses Eintrags lesen »