Gelbe Helme
August 10th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Ja, sag mal.
Mir stand der Mund offen. Ich meine, ich hab in meinem Leben ja nun wirklich schon manchen Scheißdreck zu Gesicht bekommen. Dass ich in dieser Hinsicht besonders verwöhnt wäre, kann man nicht behaupten. Aber was Georg mir hier bot, übertraf alles Bisherige bei weitem!
Um erst mal wieder runterzukommen und mich davon abzuhalten, dass ich stehenden Fußes ausrastete, beschloss ich, ein paar Schritte zu tun. Ich sagte: „Eine Sekunde, bin gleich wieder da“, und ging los. In Richtung Kaffeeautomat. Den Flur hinunter, was mir Zeit gab, meine Lungen mit Luft zu füllen und mein Herz zu drosseln. Georg hörte ich vor seinem Hightech-Rechner pfeifen. Dazu trommelte er mit seinen Fingern einen flotten Rhythmus auf den Tisch. Kein Zweifel: Er hielt dieses Filmchen wirklich für einen Knaller.
Ich hingegen war zweifelsfrei davon überzeugt, dass Georg einen Knall hatte.
Wie konnte er mir schwule Bauarbeiter in meinen Film basteln, die ein YMCA-Freudentänzchen in rosa gestreiften Kostümen aufführten? Noch dazu mit gelben Helmen?
Hey! Was wurde hier gespielt? Wir waren beauftragt worden, den Bauarbeitern dieser Welt GRÜNE Helme schmackhaft zu machen! Dafür blätterte ein international operierender Bauarbeiterhelmhersteller mit knallgrünem Logo ein hübsches Sümmchen hin. Wie, fragte ich mich, einen bebenden Cappuccinobecher in der Hand, kam denn nur dieser Vollaffe auf die Idee, grüne Helme mit gelben Helmen zu bewerben?
Um kein Wort zu verlieren über Schwuchteln, die in weiß und rosa gestreiften Schlafanzügen choreographierte Tanzschritte aufführten.
Und: Wo hatte denn Georg diese Bilder überhaupt aufgetrieben?
Endlich hatte ich mich soweit wieder im Griff, dass ich mich einem Gespräch gewachsen fühlte. Ich lenkte meine schweren Schritte den dunkel bespannten Flur hinab. Zwischen meinen Brauen saß ein Krampf, aber sonst ging es mir gut.
Ich schob die Glastür zu Georgs Schneideraum auf.
Er wandte mir den Rücken zu.
Ich schloss die Tür.
Ich räusperte mich.
Ich sagte: „Okay, schön, Georg. Ich glaube, es gibt da ein paar Szenen, da müssten wir vielleicht noch mal ran, marginal.“
Georg drehte sich zu mir um. Er strahlte. Er sagte: „Hey, Bob. Ich hab’s schon geändert. Am Anfang des Films, da hatte ich das Logo von diesem Helmfritzen echt ein bisschen zu lang stehen lassen. Das ist mir beim nochmaligen Ansehen auch aufgefallen. Jetzt müsst’s aber passen. Schau doch mal!“