Probefahrt

August 24th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Besser wurde die Sache erst, als ich die Automobil-Recherche für mich entdeckt hatte. Darauf habe ich mich spezialisiert. Man kann wohl sagen, dass diese Entscheidung mein Leben gerettet hat.
Eine knappe, schnörkellose Sprache, eine Sinnlichkeit, die ganz dicht dran ist am Ding, am Auto. Es ist keine Anmaßung, wenn ich behaupte, dass kaum ein Schreiber in Deutschland diese Art von Text heute besser beherrscht als ich. Für die großen Marken und die bekannten Magazine bin ich längst die erste Wahl, wenn’s um eine Produktpräsentation geht, um die Markteinführung eines neuen Modells.
Mein Stil wird als haptisch beschrieben. Haptisch und intensiv. Ich ziehe den Leser buchstäblich zwischen die Zeilen meiner Texte, mit sanfter, hypnotischer Gewalt. So hat es ein befreundeter Chefredakteur mal ausgedrückt. Tatsächlich ist diese Intensität das Ergebnis harter Arbeit. Ich feile an jedem Absatz, manchmal stundenlang. Jeden Morgen, wenn ich an meinem Schreibtisch Platz nehme, gehe ich als erstes das am gestrigen Tag Geschriebene durch. Ich frage mich: Hält es stand? Oder muss ich da noch mal ran?
Es ist eine Schinderei, aber mir macht’s Spaß. Immer besser zu werden, immer perfekter. Bis der Satz sitzt. Das ist meine Mission.
Intuitiv war mir immer klar, dass ich in diese Richtung wollte. Vorher hatte ich Verschiedenes ausprobiert. Ich war Journalist, habe Romane geschrieben und als Werbetexter gearbeitet. Was ich bei alldem am meisten vermisste, war die Bodenhaftung.
Beim Schreiben liegt die Gefahr des Abhebens immer in der Luft. Allein weil die Wörter so etwas Wolkiges haben. Wörter entziehen sich permanent. Sie treiben ihr Spiel mit dir.
Darum ist es wichtig, möglichst konkret die technischen Aspekte und Details zu benennen. Bleib sachlich, auch während der Pegasus dich über den Harz trägt. Beim Schreiben konzentriere ich mich auf ein paar wesentliche Punkte: Wie hat sich das damals konkret angefühlt, ganz real, als du diese Karre gefahren bist? Was ist PR-Blabla, und was ist Wirklichkeit?
Prüffragen wie diese sind wichtig, um ein Abschweifen in Blumigkeiten zu verhindern, das Schwelgen in Theorien.
Ich versuche, das Gefühl, das ich in meinen Fingerspitzen hatte, als ich das Nappaleder-Lenkrad umklammerte, auf die Tastatur meines Laptops zu übertragen. Bildschirm und Teststrecke werden eins. Mein Fuß drückt langsam ein imaginäres Gaspedal durch. Zwischen den Zähnen spüre ich den Fahrtwind.
Dann bin ich am besten.

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