Orientierungslose Gesellschaft

September 30th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Schon wenn man die Headline schreibt, sagte Bob, missmutig seinen face2buns nach hinten rollend, weg von der Tastatur seines Computers, dann hat man das Gefühl, zur Orientierungslosigkeit noch zusätzlich beizutragen. Die Desorientierung, die unser Land beherrscht, sagte er, ist so massiv, allgegenwärtig und tiefgehend, dass schon der Versuch, eine Beobachterposition außerhalb von ihr einzunehmen, nicht einmal mehr in Verrat mündet – sondern wirklich nur das Maß der Desorientierung, die Wirrnis und Dunkelheit steigert – weil ein solcher Versuch aussichtslos ist! Ein Außerhalb gibt es nicht! « Den Rest dieses Eintrags lesen »

EIER!

September 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Gut dann, dachte ich. Dann werd’ ich eben Kellner. Wenn ich schon die Wirklichkeit wirklich kennen lernen will. Alles andere wär’ ja beknackt. Wo ist man denn am nächsten dran am Leben? Wo sitzt man dem Leben auf dem Schoß? Etwa in diesem Kellerloch mit Internetanschluss, wo sie mich für freche Sprüche bezahlen? Nein! Sondern? Wo, wenn nicht in der Kneipe?
Eben.
Ich meine, sagte ich, ich bin ja kein akademischer Wasserkopf. Ich will das pralle Leben fühlen, hier, sagte ich, mit einer obszönen Geste, zwischen meinen Schenkeln! « Den Rest dieses Eintrags lesen »

… ist Schweigen

September 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Klar, sicher, früher, na ja. Ab und an, ja, klar. Da hat man sich etwas ausgedacht, dann setzte man sich an seine Tastatur und tippte das mit possierlicher Ergriffenheit da rein, in die Tastatur, was man sich ausgedacht hatte. Und auf dem Bildschirm erschien ein Geflimmer, das sich zu Buchstabensinn verdichtete, wenn man lange genug auf den Bildschirm starrte. Wenn man das Geflimmer fixierte, mit gerunzelten, angestrengten Brauen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Der Balken

September 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Das Schicksal?“ Don Fernando wendet sich um. Er ist bleich, klebrige graue Haarsträhnen fallen ihm auf die Nase. Erschöpft sieht der Lyriker aus, denkt Vargas. „Von welchem Schicksal sprechen Sie, Señor?“
Bandenkriege, gesteinigte Bürgermeister, Leichen, die von Autobahnen herabhängen. Die Drogenbanden haben Mexiko im Würgegriff. Vargas will nur noch raus aus diesem Land, aus dieser Hölle. Er ist kein Held, und er will keiner sein. Schon gar nicht will er ein Märtyrer werden. Er hat noch Leben in sich, denkt er, noch gibt es Frauen, Weine, Möglichkeiten.
Don Fernandos dicke Finger krampfen sich um das Gewehr. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Alle tot

September 27th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Er konnte es gut verstehen, unter dem sandfarbenen Himmel noch ein Weilchen dahin marschierend, dass manche seiner Freunde es geradezu HASSTEN, wie er ernsthafte Philosophie und das Metier des Erzählers in seinen Büchern miteinander verquickte. Für ihn war dieses Vorgehen immer ausgesprochen lukrativ gewesen, darum hatte er es bisher vermieden, sich darüber genauere, kritische Gedanken zu machen. Jetzt aber, mit seiner Maschine tragisch verschollen in der Wüste, den letzten Tropfen Wasser aus dem weißen Kanister getrunken habend, krochen in ihm düstere, lähmende Gedanken hoch. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Glückseligkeit

September 27th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Gier war ihr bestimmendes Motiv, ihr Lebensantrieb. Als sie Harry Joy kennen lernte, schlug ihr Herz unwillkürlich schneller. Ihren Mann, der sich, als erfolgreicher Werbeagenturinhaber, insgeheim für eine Art Künstler hielt, verlockte die Idee, sich der Welt neben einer Asiatin zu zeigen, wie sein Idol John Lennon einst neben Yoko Ono. Dieses Motiv zog ihn zu ihr hin. Dass sie Grafikdesign studiert hatte, tat ein Übriges. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Ich habe Spaß an der Zerstörung

September 24th, 2010 § 6 Kommentare

- Robert Mattheis, „Hohlkörper“ liest sich wie ein Buch, wenn ich ehrlich sein darf …
- Dürfen Sie natürlich nicht!
- … als hätten Sie es als 1000-Seiter geschrieben und dann auseinandergerissen und auf völlig andere Art neu zusammengestückelt. Täuscht dieser Eindruck?
- Ich hab natürlich auch Unmengen weggeworfen. Wie viele Seiten sind es jetzt?
- 220, ungefähr.
- Also hab ich 780 Seiten Manuskript in den Papierkorb geworfen!
- Aber das war wirklich Ihr Verfahren, ja? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

The story of my life

September 23rd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Um es kurz zu machen: Ich kann mir meine Story selbst nicht erzählen. Wofür stehe ich? Für nichts. Mein Körper kommt mir vor wie eine Werbefläche. Ich bin behängt mit Logos, obwohl ich eigentlich ganz normale Klamotten trage, aus einem ganz normalen Geschäft. Ich hab also dafür gezahlt, diese Logos tragen zu dürfen, anders als ein Tennisspieler oder ein Rennfahrer.

Meine Eltern haben schon für nichts gestanden. Sie waren zwar gegen Atomkraft, sie setzten sich für die Umwelt ein, fuhren aber in einem dicken, stinkenden Schlitten durch die Gegend. Meine Mutter war eine ziemliche Zicke, die sich ihr Umweltbewusstsein nur zugelegt hat, um ihrer Schwester eins auszuwischen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Die Antwort kam. Jedoch …

September 22nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

… kam sie nicht von der Côte d’azur, sondern aus Mannheim.
„Mann, ich hab’s mir doch gedacht!“, stöhnte Lars, enttäuscht auf den Poststempel starrend, und auch Barbara ließ, zumindest innerlich, in diesem Moment den Kopf hängen.
„Mannheim, so eine Scheiße! Die Côte war nur ein Köder!“
„Ein Köter d’azur“, sagte sie. Sie lachten beide lauthals, sie wussten selber nicht, warum. Dann öffnete er den Brief. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

„Ich can’t give you anything …

September 22nd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

… but love, baby …“ Als Lars kurz zu sich kam, sah er, dass er tanzte. Er tanzte mit Cléo Marcisse, und Pierre Marcisse, der nicht nur tanzte, sondern auch noch sang, hatte sich Barbara geschnappt. Er hatte die Arme um die junge Frau gelegt und die Hände auf ihrem Hintern platziert und grinste Lars über Barbaras Schulter hinweg auf ziemlich frivole und herausfordernde Art an, und Lars versuchte, halb wütend, dasselbe bei Cléo zu machen, ihr auch seine Hände auf den Hintern zu legen, aber sie schob seine Arme, die wie aus Gummi waren, fort, und murmelte etwas, das er nicht verstand, in sein Ohr, aber er hörte immer nur: „I can’t give you anything but love, baby“, und etwas stimmte mit dem Licht nicht, und auf der Platte war ein Kratzer, der mit der Pünktlichkeit einer Uhr ein Ticken erzeugte, ein hässliches kurzes Knacken. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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