Da waren wir platt!
September 5th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
“Shooting Star” — ein aufgebrachter Leserbriefschreiber belehrte die leserbrieflesende Republik (darunter mich) heute früh qua “Süddeutsche Zeitung”, dass dieses Wort im Englischen eine Sternschnuppe bezeichne, also etwas, das gleich verglüht sein wird, ein vorübergehendes, transitorisches Phänomen.
Wenn ich den Leserbrief richtig verstanden habe, benutzen viele Federfuchser den Begriff falsch, weil sie denken, der Shooting Star schieße in die Höhe, um dort zu bleiben. Ich aber kann jetzt, belehrt, guten Gewissens sagen: De Fofftig Penns, das waren drei Shooting Stars!
Sie schossen in die Höhe, elektrisierten das Land — und verschwanden dann mit einem letzten Funkensprühen in der ewigen Nacht der Weltgeschichte.
Was heißen soll: Gestern gaben die drei gebürtigen Bremer ihr — sie sagten: vorerst — letztes Konzert. Ganz überraschend. Nach einer triumphalen Schultournee durch Norddeutschland, einer fast sensationellen Flut von Fernsehauftritten und einem epochemachenden Open-air-Auftritt im Gängeviertel erklärten sie, während der Zugabe, ihren Abschied von der morschen Paletten-Bühne.
Ganz en passant, wie andere sagen würden: “Apropos, das nächste Bier geht aufs Haus!”
Was für ein Moment!
Hätten sie doch lieber gesagt: “Das nächste Bier geht aufs Haus!”
Ich glaube, die hochgesinnten Platt-Rapper nahmen sich bei diesem nassforschen Abschied keinen Geringeren zum Vorbild als — sich selbst. Einer ihrer Songs gipfelt nämlich in dem Bartleby-mäßigen, trotzig-rotzigen Refrain: “Nee, mut ick nich” (“Nö, muss ich nich”). Und auch die drei Nicht-mehr-Bremer wollen nicht mehr. Sie wollen sich nicht mehr verheizen lassen, wollen sich nicht weiter von der unersättlichen Medienmaschinerie aussaugen lassen — und erst recht wollen sie kein Lese-Futter sein für Leute, die die “Bild” für eine Zeitung halten.
Der Blogozentriker sagt: Danke, Jungs.