Aus den Aufzeichnungen eines arte-Regisseurs (#8)
September 7th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Wie soll ich diesen Tag nur überstehen? Ich begreife es nicht, begreife gar nichts mehr. Die Vorstellung, jetzt dieses Stück zu Ende schreiben zu müssen, frisst mich auf. Wie? Wohin? Vor beinahe acht Jahren habe ich die Arbeit daran abgebrochen, keinesfalls ohne Grund, sondern zutiefst verzweifelt, fast schon beschämt. Ich hatte mich verrannt, zu tief gegraben, zu viel preisgegeben … Schon seit Tagen quält mich der Gedanke, diesem Monstrum von einem Text wieder gegenüber treten zu müssen – die Unvermeidlichkeit meines Scheiterns lässt mein Herz zittern.
Um vier Uhr früh bin ich aufgewacht, ganz durcheinander, konfus, verloren … Erst mal stolperte ich durch meine Wohnung, auf der Suche nach einem Lichtschalter. Ich fand keinen, also musste ich aufs Morgengrauen warten. Ich saß nackt an meinem Schreibtisch und kritzelte in mein Notizbuch, während meine Zähne klapperten wie meine alte Schreibmaschine. Nicht, dass ich noch daran glaubte, mir etwas von der Seele schreiben zu können! Wenn das möglich wäre, müsste meine Seele längst abgetragen sein. Aber das Schreiben hilft doch, das habe ich bemerkt; allein der mechanische Vorgang des Notierens, das Bewegen des Armes, wie die Tinte aufs Papier fließt … das besänftigt meine aufgekratzten Nerven wie ein Spaziergang am Abend, über die Hügel vor der Stadt.