Ganz hinten in der Totschlägerreihe
September 12th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Hatte er gedacht, er müsste keinen Preis dafür zahlen, so hatte er sich geirrt.
Der billige Begriff, der sich in seiner Umgebung verbreitet hatte, seine Person betreffend, er sei “ein glücklicher Mann”, schützte ihn nicht. Frau, Kinder, Haus, Arbeitsplatz, Dienstwagen, all das erwies sich im entscheidenden Augenblick als illusorisch angesichts einer Gefahr, die von innen wuchs. Er mochte sich gegen die Einflüsse der äußeren Welt abgedichtet haben, ihnen auf der Autobahn davon jagen, die Alarmanlage dagegen programmieren. Wehrlos war er, wo er mit seinen Ahnen allein war, in den stillen, tiefen Stunden.
Dass er aus einer Familie von Totschlägern kam, hatte er zu verheimlichen gewusst. Um aber etwas verheimlichen zu können, müssen wir selbst über den ganzen schrecklichen Umfang des zu Verheimlichenden genauestens ins Bild gesetzt sein.
Er war im Bilde.
Das Bild war in ihn eingegangen, es war ein Teil von ihm geworden. Schon in der Kindheit hatte er oft gemerkt, wie das Grauenerregende sich in ihm festsetzte. Wenn er auf dem Schoß des Opas saß, beispielsweise. Dieser war kein guter Mann, das war unverkennbar. Der Atem, der das Ohr des Jungen traf, war giftiger Atem, Pesthauch. Es war, in einer übertriebenen, aber unabweislichen Wendung, der “Hauch des Bösen”.
Der Opa hatte ein breites, faltiges Grinsen, das schmale Zähne sehen ließ.
Kein Raum für Güte.