Francisbaconesk

September 14th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Bemerkung, er fresse Mitarbeiter, verstand und gebrauchte man natürlich metaphorisch. Niemand verband damit eine buchstäbliche Vorstellung, so wie auch kein Mensch auf den Gedanken kommt, jemand, von dem man sagt, mit ihm sei „nicht gut Kirschen essen“, zeige beim Obstessen ungebührliches Verhalten, reiße die Früchte an sich, spucke Kerne etc. Das sind Redewendungen. Auch Cornelia Z., die sich bisher viel auf ihre Unerschrockenheit und ihr reißfestes Nervenkostüm zugute gehalten und deswegen die Herausforderung, als Chefsekretärin für Kai D. zu arbeiten, mit glühendem Eifer angenommen hatte, war in keiner Weise auf den Anblick vorbereitet, der sich ihr am 11. September bot, als sie die Tür zum Zimmer ihres Chefs öffnete. Sie hatte im Zustand rasender Bestürzung auf CNN die Bilder von rauchenden, kippelnden World-Trade-Center-Türmen gesehen, und sofort, auch um nach einigen Misshelligkeiten wieder einmal Punkte zu sammeln, eilte sie ins Büro des Chefs. Man musste den Meinungsmacher Nr. 1 im Lande über ein solches Ereignis sofort informieren, das spürte sie. Ihr Klopfen blieb unbeantwortet, und so trat sie ein, weil sie glaubte, Kai D. telefoniere. Das tat er meist. In diesem Falle aber nicht. Er aß. Und zwar einen Redakteur aus dem People-Ressort.

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