The story of my life
September 23rd, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Um es kurz zu machen: Ich kann mir meine Story selbst nicht erzählen. Wofür stehe ich? Für nichts. Mein Körper kommt mir vor wie eine Werbefläche. Ich bin behängt mit Logos, obwohl ich eigentlich ganz normale Klamotten trage, aus einem ganz normalen Geschäft. Ich hab also dafür gezahlt, diese Logos tragen zu dürfen, anders als ein Tennisspieler oder ein Rennfahrer.
Meine Eltern haben schon für nichts gestanden. Sie waren zwar gegen Atomkraft, sie setzten sich für die Umwelt ein, fuhren aber in einem dicken, stinkenden Schlitten durch die Gegend. Meine Mutter war eine ziemliche Zicke, die sich ihr Umweltbewusstsein nur zugelegt hat, um ihrer Schwester eins auszuwischen. Ihre Schwester war bei RWE, wenn ich das sagen darf, sonst sage ich: bei einem Stromriesen. Natürlich gab’s immer Zoff, hier die Streberin, die Überfliegerin, schwerreich, mit Ferienhaus im Tessin, und dort meine Mutter. Eine Null. Ihr Mann war ein Versager, eine Schnarchnase – mein Vater, halt. Er hat bei einer Kulturzeitschrift gearbeitet, bis sie die Kulturzeitschrift einstellten, und dann bekam er einen Herzinfarkt und war Frührentner. Im Grunde ist er sein Leben lang Frührentner gewesen. Er war zu sensibel fürs Leben. Das bin ich ja auch. Ich wüsste nur eben nicht, was die Alternative zum Mitmischen wäre; man bräuchte, um eine glaubhafte Alternative zu entwickeln, eine Utopie, ein Programm, eine Vision. Ein Ideal. Wie sagt man denn dazu bloß? Etwas, an das man glauben kann, übers Wurschteln hinaus. Und da ist eben bei mir Fehlanzeige. Nada, nix. Ich kann nur morgens aufstehen und hoffen, dass es nicht allzu schlimm kommt. Dabei geht es mir nicht schlecht. Ich werde nicht gefoltert, und ich dürfte sogar meine Meinung sagen, wenn ich jemanden fände, der sich dafür interessiert.